Stichwort Mannheim, Xavier Naidoo

Vermutlich qualifiziert mich mein Status als Ex-Mannheimer zum Experten in dieser Angelegenheit, genau wie Xavier Naidoo seine Fähigkeit ein Mikrofon richtig herum zu halten zum Beauftragten in Weltanschauungsfragen befähigt. Wenn mich an dem aktuellen Skandälchen etwas stört, dann die völlig fehlende Frage, warum ausgerechnet von Musikern politische Meinungen, dazu noch die richtigen, erwartet werden. Warum nicht von Bäckern, Bankangestellten oder Taxifahrern? Aber so ein Musiker “kann” ja Öffentlichkeit, das gehört qua Definition zu seinem beruflichen skill set, daher ist es dann wurscht, ob er sein neues Album promotet, einen Werbetext abliest oder zu politischen Fragen Meinungen von sich gibt. Zumindest solange, wie er brav gute Laune für potentielle Auftraggeber verbreitet. Ist dies nicht mehr gegeben, hängt der Haussegen schief.

Die politische Linke hat in der Vergangenheit immer wieder erfahren, dass das Arbeitsbündnis aus Musikern und politischen Strömungen nicht unproblematisch ist, und im Zweifelsfall Musiker davon profitieren. Das ist quasi der Ritterschlag des Musikers: “kann nicht nur auf der Gitarre rumgniedeln, sondern macht auch irgendwas ganz wichtiges mit Gesellschaft, verantwortungsvoll und so”. Für den Musiker zahlt sich das aus in der Währung, die Pierre Bourdieu “kulturelles Kapital” genannt hat. Für die Linke oft nicht, da ist der Katzenjammer groß, wenn man hinterher feststellt, dass die andere Seite nur eine Station auf dem Weg nach oben sah, Karrieresprungbrett.

Dieser Katzenjammer macht sich nun in Mannheim breit, wo das Aushängeschild der Stadt irgendwo herumlichtert. Wenn man ehrlich ist nicht so eindeutig, aber schon so krude, dass die Vertreter der Stadt hier ganz schnell die Reißleine ziehen möchten.
Eigentlich hätte man früher schon erahnen können, dass Xavier Naidoo ein ziemlich wirrer Zeitgenosse ist. In die “Brief an die Leser”-Sektion der Titanic schaffte er es ein paar Mal mit seinem von höhren Weihen beseelten Gequatsche. Aber erst jetzt, wo der Unfug zu groß wird und wie üblich “Schaden für das Ansehen der Stadt” zu erwarten ist, möchte man sich lieber gestern als morgen vom einstigen Sympathieträger trennen. Wie viele Jahre hat es gedauert um festzustellen, dass der Vorzeigemannheimer irgendwie ganz schön schräg drauf ist? Das nennt man dann wohl “lange Leitung” oder schlicht und ergreifend “Verdrängung”.

Eine gewisse Schadenfreude kann ich mir nicht verkneifen. Der aktuelle Fall wirkt wie ein schlechtes Bauerntheaterstück und passt genau zu der miefigen Provinzialität der kurpfälzischen Gernegroßstadt mit Popakademie, in der man via staatlich geförderter Institution Popmusik produzieren will, irgendwo zwischen Fließbandarbeit und Behörde.

Das folgt dem üblichen Selbstbetrug, sich selbst als Schöpfer eines Frankensteins zu imaginieren und dann mit Entsetzen festzustellen, dass die Kreatur einen eigenen Willen entwickelt hat. Der eben nicht mit dem Willen des vermeintlichen Erfinders d´accord geht.

Ein unangenehmer Gedanke zum Schluß: vielleicht sind auch Xavier Naidoo und Dieudonné M’bala M’bala Beispiele für gelungene Integration. Nämlich dadurch, dass Kinder von Migranten genauso große Holzköpfe sein können, wie jeder autochton geborene Deutsche. Das dürften sich aber weder Nazis noch Linke wünschen.

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