Millionären bei der Arbeit zugucken. Metallica in Hamburg 2014.

Stadionrock im vollen HSV Fußballstadion mit 45.000 Menschen beim Sonisphere Festival am 4. Juni 2014. Ghost spielen irgendwelche komische Orgelmusik. Mastodon sind eigentlich gut, gehen aber im Vorprogramm unter. Slayer wirken heute recht handzahm. An anderer Stelle wurde das Ereignis als kommerzialisiertes Spektakel kritisiert. Man weiß aber eigentlich schon im Vorfeld, auf was man sich hier einlässt. Rock mit dem Hang zur großen Geste. Metallica schaffen es, die Wut der Musik als familienfreundliches Unterhaltungsprogramm zu inszenieren. Diese Ideen von Lars Ulrich in der Doku “Some kind of Monster” wurden so als Corporate Identity umgesetzt, der Markenkern lautet: Hass irgendwie postiv drehen. Hat ja auch schon bei Michael Jackson mit “Bad” funktioniert, der mit dem Image des bösen Buben kokettierte. Und man weiß sofort: das sind ja gar keine Fieslinge, in Wirklichkeit sind die ja total nett. Und wie üblich hat es Pathos an sich, auf der feinen Linie zwischen genial und hochnotpeinlich entlangzuschlittern.

Eine interessante Analogie zu Apple oder sonstigen US-Firmen aus Kalifornien: Das Produkt muss personalisiert und regionalisiert werden. Stellvertretend für die Fans wird vor 2 Songs ein Fan auf die Bühne gebeten, der aus der Region kommt und in Landessprache die Leute anheizt und das Lied ansagt (das findet garantiert genau so auf allen Konzerten der Tour statt). Hier werden coole Jungs präsentiert, nicht die ü50-Fraktion, die bei mir im Block herumstand und wohl eher repräsentativ für die Fans steht.

Und die Fans sind laut Hetfield “the fifth band member”. Dafür hat man dann diese Tour nicht nur als “by request” durchgezogen, sondern noch ein SMS-Voting auf dem Konzert eingeführt, wo nochmal zwischen 3 Songs abgestimmt werden kann. Mir alles zu viel – ich gebe doch nicht 75 Euro für Tickets aus, um dann noch produktiv mitzuarbeiten. Vermutlich muss man auf den Dinosaurier SMS zurückgreifen, da das Mobilfunknetz sofort zusammengebrochen wäre, hätte man auf eine Social Media-Site verwiesen. Dass damit nochmal Reibach gemacht werden soll, halte ich eher für fraglich: die 50 Cent für die paar SMS werden kaum den Aufwand aufwiegen, das ganze System zu installieren. Nein, es geht hier um die Message: die Fans sind ganz dolle wichtig und dürfen mitbestimmen.

Zur Zugabe Seek & Destroy werden dann aus dem Flutgraben schwarze Bälle ins Publikum geworfen. Metallica können sowas, ohne dabei dämlich zu wirken, bei Slayer würde es niemals 99 black balloons geben. Kerry King stapft nach vielen Jahren Muckibude inzwischen nicht nur herum wie Godzilla, er würde vermutlich auch jeden Funken von Spaß mit Laserstrahlen aus seinen Augen eindampfen. Metallica dagegen lässig mit viel Publikumskontakt und Robert Trujillo dreht sich am Ende wie ein Brummkreisel und tritt dann noch ein paar Bälle ins Publikum zurück.

Für mich bleibt übrig: Ich kann noch fast alles mitsingen, das nächste Mal übe ich aber besser noch ein paar Mal den Refrain von “…and justice for all.” Danke, Hamburg, zufrieden ab nach Hause.

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