In Enemy (2013) tritt Jake Gyllenhaal als Doppelgänger in Toronto an. Die Referenzen sind eindeutig Hitchcock und David Lynch. “Eyes wide shut” von Stanley Kubrik könnte man auch noch nennen, um den Rahmen abzustecken. Im Unterschied zu David Lynch sind die supernatürlichen Elemente allerdings sehr dezent gesetzt. Der Film erzählt die Geschichte vor allem durch die düstere Musik mit Blasinstrumenten (ist das eine Oboe?).

2 Zuschauer, mit denen ich mich unterhielt, konnten mit dem Film gar nichts anfangen. Ich fand ihn dagegen ziemlich gut. Zäh wie Hustenschleim nach 40 Jahren Kette bewegt sich nichts. Es ächzt und stöhnt und röchelt sich voran. Es passiert an eigentlicher Handlung wenig, das aber sehr gezielt. Die Figuren kochen in ihrem eigenen Sud ihrer psychischen Unzulänglichkeiten und über den ganzen Plot könnte man eine Dissertation in Lacanscher Filmanalyse verfassen. Die Wiederkehr des Verdrängten, die Spiegelung der Begierden, 2 blonde Frauen, wobei sich die schwangere als sexueller Predator entpuppt. Ebenso wie der Doppelgänger Anthony Claire; das abgespaltene sexuelle Begehren wird von diesem Paar verkörpert. Schön und reich und voller libidinöser Ökonomie, die hier auch in Form der Fruchtbarkeit Blüten zeigt, während im echten Leben Adam Bell ein von Neurosen, milden Hallzinationen und Selbstzweifeln geplagter Dozent für Geschichte an der Uni ist, und sie ständig während des Beischlafs flüchtet. Wie gesagt, man könnte Uniseminare oder zumindest ganze Abende mit einer Analyse der Charaktere füllen. Thantaos obsiegt am Ende (mehr wird an dieser Stelle nicht verraten), das Ende ist allerdings zu gezielt “überraschend”, ebenso die Abspannmusik. Ein Film, der die Zuschauer ratlos hinterlässt und das finde ich auch ganz gut so.

Eli Roth dann mit The Green Inferno. Das Vollhonk-Pärchen in der dritt-vorletzten Reihe hinten rechts, das den Film über komplett durchredete, möge bitte ebenso wie die Darsteller im nächstgelegenen Kanibalen-Ofen landen (keine Kochtöpfe in diesem Film, daher die üblichen Witze dazu zwecklos). Ansonsten kann ich zu dem Film wenig sagen: Eli Roth ist der Wladimir Kaminer des Splatterfilms: immer dieselbe, einfach strukturierte Geschichte vom netten Onkel erzählt, aber erstaunlicherweise funktioniert ist. Jedenfalls wenn man sämtliche Ansprüche abschaltet und sich nur an Scream Bloody Zerhackstückelung erfreuen möchte. Ich bin jedes Mal selbst überrascht darüber, aber so ist. Natürlich ist viel klischeehaft, überladen und auf massentauglichkeit getrimmt, aber dennoch ganz passabel. Zumindest während der Vorstellung. Die Anmoderation setzte allerdings auf einen unterschwellig antiamerikanischen Unterton, der so vom Film nicht bestätigt wurde: die Hauptdarstellerin war dann schon weitestgehend nackt zu sehen. Jedenfalls nix mit “die prüden Amis mal wieder”.