Reviews Fantasy Filmnights 29.3.2014

Hier die Reviews zu den soeben gesehenen Filmen auf den Fantasy Filmnights 2014 in Berlin.
“The Returned” des spanischen Regisseurs Manuel Carballo nimmt die Traditionslinie auf, die das Zombie-Thema als Pandemie-Ausbruch sehen, und das mit Zeitversatz (etwa wie in “28 weeks later”). Damit geht es um Krankenhäuser, Anti-Serum, Seucheneindämmung und Militärblockaden. Außerdem geht es nicht um den direkten Ausbruch, sondern um das Leben danach und unter latenter Bedrohung. Das Setting ist gut gewählt und beim anschließenden Q&A im Kinosaal mit dem anwesenden Regisseur gab es gezielt einige Fragen dazu. Wie so einige Nüsse, die das Gehirn als Eichhörnchen zu knacken hat. Aber zunächst kurz zum Film: Das Setting ist gut gewählt und die Rahmenhandlung gibt einiges her. Für meinen Geschmack wurde der Fokus aber zu stark auf “das Persönliche” gelegt. Möglicherweise hatte ich mir einen anderen Film vorgestellt, aber die politischen Implikationen wurden kaum bis gar nicht verhandelt. Fast schon klischeehaft werden ein paar Soldaten in die Gegend gestellt und Leute werden halt irgendwie interniert. Warum erfährt man nicht, ebensowenig wer da Hass auf die Zurückgekehrten hat. Es gibt scheinbar Demos dafür oder dagegen, ist eigentlich egal für was.
Es gibt eine Talkshow-Szene, in der es zum politischen Schlagabtausch zwischen Hauptdarstellerin und dem Vertreter einer Gegenmeinung kommt (Stichwort “big fat idiot”). Das wird nicht weiterverfolgt. Stattdessen will der Film zu viel sein. Irgendwann werden Detektive aus dem Hut gezaubert, verfolgt wird das nicht weiter. Mord ist auf einmal legal, wenn man nur irgendeine Art von Leiche vorweisen kann. Und auch ansonten gibt es in der Handlung einige Logik-Aussetzer, aber diese sind eher wie die oben erwähnten Nüsse. Knabber, Knabber, Knabber – warum bunkerten die schon zu Beginn des Films das Serum weg? Und wie ein Teilnehmer des Q&A fragte: warum versorgten sich einige Protagonisten nicht auf dem Schwarzmarkt für das Serum? Wirklich herausragend gut dagegen das Sounddesign mit viel digitalgen Clicks and Cuts, das eine ungeahnte Melancholie entfaltete.

“Snowpiercer” hatte ich mir mehr oder weniger aus Zufall angesehen, da mich der Trailer und Teasertext eher gar nicht angesprochen hatten. Ich habe es nicht bereut, andere Besucher fanden den Film allerdings gar nicht gut. Es geht kurz gesagt um Klassenkampf im Zug und den üblichen Konfikt zwischen Dritter und Erster Klasse (wie Titanic, nur mit mehr Hack & Slay).
Der Film ist großartige Phantastik und zeigt was Kino sein könnte – die Wunschmaschine zur Erzeugung alternativer Realitäten. Der Plot ist absurd (nach Logik zu fragen ist hier völlig unlogisch), der neue Dr. Who spielt eine tragende Nebenrolle und wie in einem mitscrollenden Shooter-Spiel gibt es hier nur eine Richtung: von hinten aus dem Zug nach vorne. Dabei durchlaufen die Helden ihre Katharsis mit Zusammenbruch und Geständnissen am Ende, wie in jeder Odyssee. Der Film ist eine Ansammlung von allem möglichen: Grotesk und traurig, langsam und schnell, Actionfilm mit Videoclip-Ästhetik (großartige Szene: die schwarzen Herren und der Fisch). Tilda Swinton ist in ihrer Rolle großartig.

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