Fantasy Filmfest 2013 Part II

21.8.2013 15.15 Uhr Frankensteins Army. Dass die Naziästhetik des Films auch dümmliche Nazigesellen als Publikum anlocken würde, war abzusehen. Der dumme August mit seinem einschlägigen NS-Neofolk-Shirt durfte mitansehen, wie Enfants perdus der Roten Armee sich mit Mutanten-Mensch-Maschinen anlegten. So etwas hat man noch nicht gesehen, ein eindeutiger Pluspunkt des Films. Ebenso auf der Haben-Seite der Gag mit linke Gehirnhälfte und rechte Gehirnhälfte (mehr sei aus Gründer der Spoiler-Vermeidung nicht verraten).
Allerdings ein Film wie eine Generalmobilmachung auf jegliche Logik in Sachen Handlung. Und dazu ausgestattet mit einem bedenklichem Geschichtbild, wobei der böse Iwan als barbarischer Suffkopf plündernd durch Polen marodiert. Das dürfte dann den Nazigumbo im Publikum durchaus wieder erfreut haben, ebenso wie die zahlreichen Hakenkreuzflaggen.

Irgendwie hatte man den Eindruck, dass das Kino im imaginären Boxkampf gegen Egoshooter gerade kurz vor dem Auszählen im Ring herumtaumelt. Ein weiterer Gedanke: Menschen sind heute einfach zu teuer. Die Szene mit 5 Rotarmisten und 3 Flaggen wirkte einfach ganz schön mau für eine Schlachtszene.
Die Story wurde mit wackelnder Handkamera aus Erster-Personen-Perspektive erzählt. Krickel-Krackel-Soundästhetik und Wackelkamera. Und auch die entsprechenden Super8-Apps gibt es auf dem iPhone, die Ästhetik der Sprünge ist in. Historisch gab es wohl keinen Farbfilm in der Form bei den Nazis. Selten war der Disclaimer “Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig” unpassender – wenn im Film Bilder von Stalin gezeigt werden. Herr, lass Hirn regnen.

Danach um 17.15 Uhr “Fresh Meat” aus Neuseeland. Ich erwartete nach den ersten, teilweise nicht ganz so gelungenen Gags eher wenig, aber der Film entwickelte sich zu einer fulminanten Komödie. Der Neuseeländer als solches hat einen handfesten Humor, der vor politischer Korrektheit nicht halt macht. Maori und Chinesen werden hier Zielobjekte von derben Späßen. Wahrscheinlich sieht aber auch so die geglückte Integration aus – wenn über alle gelacht werden kann. Und genau genommen sind auch hier die Grenzziehungen subtil vorhanden: “We´re not Maori cannibals – we´re just cannibals, that happen to be Maori”. Heist-Komödie mit Home-Invasion und dann Menschen essen – also alles drin, in diesem bunten Gute-Laune-Cocktail.

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