Fantasy Filmfest 2012 Part III

25.8. Die Vorschaubilder im Programmheft waren in Farbe, der Film “The Day” ist dann aber über weite Strecken in einer Sepia-Optik, die an Schwarz/weiß heranreicht gedreht. Die Post-Apokalypse stellt hier nur den Hintergrund der Handlung, denn die Zombies tauchen nur am Rande auf. Die Konflikte innerhalb einer umherstreifender Gruppe Überlebender brechen nach und nach auf, als der Unterschlupf auf einer verlassenen Farm gesucht wird. Irgendwann wird klar, dass der vermeintlich sichere Ort dann doch nicht so sicher ist, und ein Psychodrama der Belagerung entspannt sich mit ausgedehnter Showdown-Schlacht. Und zwischen Psychoszenen und Schlachtgemetzel bewegt sich The Day dann auch. Trotz Verdi-Streik vor dem Kino fanden die Vorstellungen am Nachmittag statt. Tall Man von Pascal Laugier dann wie im Programmheft angekündigt. Es ist besser nichts von dem Plot zu wissen und ich glaube es ging allen im Kino so: absolute Spannung, weil bis zur Auflösung nicht klar wird, in welche Richtung der Film jetzt kippt und ob nicht doch übersinnliche Mystery im Spiel ist. Den vorherigen Film des Regisseurs Martyrs hatte ich 2008 hier besprochen.
Doomsday Book – ein dreiteiliger Episodenfilm aus Korea. Ich kann ganz ehrlich sagen: ich verstehe die koreanische Filmkultur einfach nicht. Vielleicht macht das aber auch gerade den Reiz aus. 1 der Episoden ist überdreht lustig, wobei der Humor teils grenzwertig ist. Im Mittelstück dann auf einmal metaphysisch tiefsinnige Fragen über K.I. und zum Abschluß noch ein humoresk-skurriles Stück Apokalypse mit Billiardkugeln. Als Abschluß des Tages dann noch Ace Attourney – die völlig überdrehte Verfilmung eines Capcom-Spiels über Anwälte in einem fiktiven Schnellverfahren. Leider lebt der Film stark von dem, was Adorno “Einfälle” bezeichnet hat – also Gags wie aus Looney Tunes. Und das Feuerwerk auf über 2 Stunden ausgedehnt nutzt sich irgendwann ab.

Am Sonntag dem 26.8. dann God Bless America. Warum auch immer das Kino rappelvoll war – von der Publikumsreaktion her die frenetischste bisher mit Johlen und Applaus an etlichen Szenen. Die Konstellation der beiden Hauptcharaktere erinnerte mich an “Super”. Eine charmant erzählte Geschichte über die Unerträglichkeit der Mitmenschen und die Blödheit der Mediendemokratie. Wie auch immer dem Regisseur das Kunststück gelungen ist, dass trotz Szenen mit Amoklauf im Kino (Aurora und so) und Selbstmordgürtel die gute Laune nicht verloren geht. Und dass auch die vermeintlich schützenswerten Opfer von Superstar-Shows selbst kräftig am Verblendungszusammenhang mitarbeiten, ahnte man schon zu Beginn des Films. Der Hauptfilm des Festivals “Beasts of the Southern Wild” war dann wie erwartet ausverkauft und fand mit abschließendem Q&A mit dem Regisseur Benh Zeitlin statt. Ich hatte ehrlich gesagt zuletzt ein solches Erlebnis beim Lesen von Claude Lanzmanns “Der patagonische Hase”. Ein Kunstwerk sui generis, das aus dem Nichts auftauchte und dass man so nicht erwartet hätte. Der Film schlägt in die Bresche der Post-Katrina Film in und um New Orleans nach Spike Lees Doku “If god is willing” und vor allem der Serie Treme, in der Laiendarsteller neben professionellen Darstellern auftauchen. Beasts… wurde dann ausschließlich mit Laien gedreht, die laut Zeitlin zwar nicht von der Straße, aber aus Büchereien durch Handzettel castet wurden. Und vor allem ein 6jähriges Mädchen als Hauptdarstellerin in diesem poetischen Plot zwischen Bauwagenplatzromantik und Bifrost – ein Wahnsinn.

Zum Tagesabschluß dann noch das chinesische 3D Martial Arts Gefechte “Flying Swords of Dragon Gate”. Ich weiß nicht, wie ins Englisch übersetzte Chinesisch heisst, aber die verhunzten Untertitel ließen mich an dem recht vertrackten Plot verzweifeln. Zumal die Hintergrundgeschichte in wenigen Szenen komprimiert erzählt wurde und der Film dann über weite Strecken aus Kampfszenen bestand. Und die Helden reiten dann mit der roten Flagge durch die Wüste auf der Suche nach einer untergegangenen Kultur – Indiana Jones aus Rotchina-Perspektive. Wo die Grenzen der politische Korrektheit in China heute verlaufen würde mich auch interessieren, denn Eunuchen-Bürokratie schlecht, Kaiser gut. Das mit der Abschaffung des Adels ging bei Marx irgendwie anders. Ehrlich: Kung Fu Hustle ist immer noch mein Favorit in dem Genre und wurde auch durch diesen Film nicht getoppt.

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