Warum hier nichts steht

Ich würde ja gerne hier gelegentlich hier etwas schreiben, finde aber keine mitteilungsfähigen Inhalte mehr. Irgendwann wurde mir der Spagat zwischen meinen verschiedenen Lebensbereichen zu anstrengend. Die ständige Abwägung, welche Inhalte welchem Bereich zugeordnet werden könnten. Und öffentliches Artikulieren verlangt ständig diese Trennungsleistung.

Ich glaube noch nicht einmal, dass das Koordinatensystem sich aus den Achsen “privat” und “öffentlich” zusammensetzt, sondern sich an den pluralen Verbreitungskanälen festmacht: wer liest meine Nachrichten auf welchem Kanal? Früher bestand für mich die Trennung darin mein politisches Interesse und meine musik – na, sagen wir mal “Musikpromotion” – irgendwie zu trennen. Schon daran bin ich gnadenlos gescheitert, wie sich an dem Schlingerkurs dieses Blogs ablesen lässt.

So ganz passte das alles nicht und die Inhalte schoßen immer haarscharf an den potentiell interessierten Personen vorbei. Der Medientheoretiker Geert Lovink vermutet, dass Blogs Homogenität schaffen, indem sie ein bestimmtest Umfeld schaffen – sie werden von Leuten gelesen, die dasselbe denken. Kann ich das so bestätigen? Jein. Es gab hier und an anderer Stelle teils kontroverse Diskussionen, irgendwann war ich ihrer überdrüssig, da der Ablauf und die Reaktionen aller Beteiligten voraussehbar waren. Und ab da wurde es immer uninteressanter, denn ich lese oder unterhalte mich um etwas zu lernen, dass ich noch nicht wußte, und nicht um die immergleichen Inhalte in zig-facher Ausführung wiedergekäut zu bekommen. Genau das scheint aber für einige Bloggerinnen und Blogger der Hauptzweck ihrer Tätigkeit zu sein. Ich konnte das irgendwann nicht mehr Ernst nehmen, genausowenig wie diese pathetische Betroffenheit, das Ereifern über reale und vermeintliche Mißstände.

Zumal hier das Reflexionsniveau über das eigene Treiben in den meisten Fällen erschreckend niedrig liegt und immer tumb die Vorgaben aus dem etablierten Medienbetrieb abgeschrieben wurden – und dass dann für eine Eigenleistung gehalten wurde. Eine Zeitungsmeldung wird zitiert und sich über den Inhalt erregt, daran sähe man mal wieder, dass wahlweise Polizei / Nazis / Deutschland / Bundesregierung / Milchbauern / Atomlobby / … (eigenen Begriff nach Belieben hier einsetzen) ganz schlimm seien. Das mag zwar Betroffenheit artikulieren, aber warum sollte das jemand lesen wollen? Das Label “politisch” wird gerne vorgeschoben, wo doch nur die eigenen Befindlichkeiten vor Publikum ausgebreitet werden. Als Vergleich fällt mir nur das Starren auf einen Käfer ein, der auf dem Rücken liegt und hilflos mit den Beinchen strampelt.

Mir wurde das alles irgendwann zu öde. Insofern gab es hier kein “Umfeld”; meine Inhalte gingen immer weiter auseinander, dass ich irgendwann an Sinn und Zweck des Unterfangens zu zweifeln begann. Geert Lovink sieht im Bloggen einen Nihilismus verwirklicht: eine resignative Grundhaltung, da sich keine weiterführende Veränderung abzeichnet. Nur drückt sich die Bloggerin oder der Blogger diesen Nihilismus durch die Tätigkeit des Bloggens aus. Mich irgendwann nicht einmal mehr das. Und auch die tektonischen Platten meiner Interessen haben sich verschoben: Soll ich etwa über geekige Programmierthemen schreiben? Dazu fehlt mir jeglicher Ansatz, weder habe ich zum Schreiben darüber eine intrinsische Motivation noch sehe ich eine Zielgruppe dafür.

Das Leben ist angefüllt von interessanten Dingen, die wenigsten davon passen jedoch in Textform.

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