Eine Frage des Stils

In der Süddeutschen befindet sich eine Besprechung des neuens Buchs “Payback” von Frank Schirrmacher. Darin findet sich folgender Gedanke, der scheinbar als so relevant erachtet wird, dass ihm ein eigener Abschnitt zugedacht wird: Die Tatsache, dass in Schirrmachers Buch von “Tweeds” die Rede sei, wo eigentlich “Tweets” gemeint seien, würde sein Anliegen diskreditieren. Warum eigentlich? Wird der Sinn so grotestk entstellt, dass die ursprüngliche Intention nicht erkennbar ist durch diesen Fauxpas hindurch?

Eher werden hier beiläufig und unbeabsichtigt die Denkweisen der “digitalen Natives” aufgedeckt: Sich wie schon bei der Sache mit den Fisting-Attacken bei jedem Versprecher brüllend auf die Schenkel zu klopfen, wo doch immer nur die eigene Identität bestätigt werden soll: die anderen haben ja alle keine Ahnung, man selbst schwebt aber auf Distinktionswolke 7 über den Dingen und kennt genau die feinen Unterschiede zwischen digitalem Mikroblogging und Wollgarn (oder man schlägt schnell bei Wikipedia nach und fühlt sich aufgrund dieser Leistung ganz schlau, wenn man nicht genau weiß, ob Tweed nun eine Art zu Weben, eine Gewebesorte oder ein Muster bezeichnet) und kann so spielend alle neuen Trends und Gadgets einordnen. Der Blödian-Begriff der “digitalen Boheme” bringt hier entgegen der Intention seiner Erfinder die Idiotie auf den Punkt: snobistisches Überlegenheitsgefühl aufgrund der Kenntnisse der neuesten Moden. Wenn der heutige status quo nicht ein ganz altes Prinzip der Kulturindustrie ist, dann weiß ich auch nicht. Fashion Victims der besonders blöden Art.

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