Soziologie heute

Denkschulen waren gestern, heute herrscht ein instrumentelles Verhältnis zur Theorie vor. Wild wird alles mögliche zusammengeklebt, man könnte dieses Vorgehen wohl als mash-up bezeichnen. Toll ist es zumeist trotzdem nicht. Vordergründig hat man die Ideologie abgeschafft, in Wirklichkeit ebnet man so nur jegliche Widersprüche ein und beraubt auch kritische Autorinnen und Autoren ihres Potentials.

So auch in einem Text, den ich heute las (Autor und Titel tun nichts zur Sache). Von Zygmunt Baumann kommt ein Autor im nächsten Absatz zum 1968 entthronten Berufsnazi Helmut Schelsky und quasselt sich einen Text über Konsumismus zusammen. Alle möglichen Leute, die im weitesten Sinne etwas mit Soziologie zu tun haben, haben sich ja schon irgendwie dazu geäußert.
Dann verweist man noch auf das erste Kapitel von Marxens Kapital (ohne daraus zu zitieren), “(…)wie es die berühmte Formel W-G-W zum Ausdruck bringt, schwingt sich Geld im Laufe der Zeit zur entscheidenden Antriebsgröße dieses Zirkulationsprozesses auf, indem Waren vornehmlich getauscht werden, um Geld zu erwerben (G-W-G).”
Das ist Dummschwätzerei auf höchstem Niveau, wo man es noch nicht mal mehr als nötig erachtet sein Geschriebenes durch Zitate zu belegen (weder wird vom Autor auf das zitierte Buch verwiesen noch taucht es in der Literaturliste auf – wie kann man dann wissen, was dort eigentlich steht?), aber schön mit dem Wissen um angebliche Klassiker auftrumpfen will.
Es geht nach Marx bei der Kapitalisterei nicht um Erwerb der Geldware, sondern um die Schaffung von Mehrwert. Am Ende steht ein Strich hinter dem G. Und Selbstzweck ist nicht das Geld, sondern Akkumulation. Aber nein, so der Konsumsoziologe, “Geld [dient] als Selbstzweck der Produktion”. Und Georg Simmel hätte angeblich auch nichts anderes behauptet. Jeder hat ja irgendwie irgendwas zu sagen zu irgendeinem Thema. Nein, diese Soziologen mal wieder. Danke, mir reicht es für heute.

Später vielleicht noch mehr zu einem weiteren Fundstück: “weder Guy Debord noch Nike, sondern dazwischen.” Ob man das wohl als waschechten Konformismus bezeichnen könnte?

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