Freitag, EA80, danach

Punkrock ist Hyperrealität. Der Tod wurde abgeschafft, hier geht es auf ewig weiter.
Selbst wenn sich Bands auflösen, sterben sie nicht aber EA80 stehen noch auf der Bühne und betätigen ihre Instrumente selbst und das seit 1979.

„Dienstälteste Deutschpunkband“ meint jemand, den ich treffe. Die Vorband ist ein dadaistisch inspirierter Superquatsch mit Perücken und Luftgitarre, mit dem das Publikum nichts anfangen kann. Recht so, diese Banausen. Nach 10 Minuten ist die Show vorbei, hier wird der Spaß knallhart bis zur Schmerzgrenze getrieben. EA80 dann kurze Zeit später. Alte Herren, die mit Stil ihre Songs spielen. Es ist rappelvoll, vermutlich ausverkauft. Davor witzelte ich noch über Pogo bei EA80, hier findet er wirklich statt. Ich finde mich auf einmal am Pogorand wieder und bin gar nicht begeistert, als ein dickes Reneemädchen vor mir ihren Körper in Schwingungen versetzt. Egal, die Band ist gut. Es gibt wenig deutschsprachige Musik, die ich mir anhören kann. EA80 gehört zu den wenigen Ausnahmen, vermutlich auch wegen der antiquierten Sprache aus einer anderen Epoche. So texteten deutsche Linke, als der Einfluß von Adorno noch deutlich zu spüren war in westdeutschen Provinzstädten. Punkrock jenseits von Jungmännerritualen, Schreien drückt hier Schmerz aus und nicht die Emotionen von Hirnis, die auch im Schützenverein saufen könnten. Die Pausen deiner Sätze auf Bände gesprochen/ ich schneide sie zusammen, ich spule sie auf / ich sammel das Schweigen diese ewige Ruh´ / und bin ich traurig hör ich ihm zu. Kindliche Wünsche werden wahr, es werden alle Lieder gespielt, auf die man sich gefreut hatte. Hier geht es nicht um neu, sondern um alt. Konservativ bis in die Knochen, aber ich mag es. Irgendwann 10 Minuten Pause, dann weiter. Nach dem zweiten Teil will die Band gehen aber das Publikum dreht hohl und pfeift fanatisch. Die Band kommt zerknirscht zurück. Wollte man eigentlich nicht, macht man dann doch. „Haus in Schwarz“. Das Publikum singt beim letzten Lied mit: Nichts von alledem ist wahr… 10 Minuten Dauerpfeifen und Schreien bringt die Band nicht zurück. Saallicht, raus hier.

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