Geschlechterverhältnisse im Web 2.0

Nachdem im Artikel Bloggende Frauen… hier jedenfalls nicht bereits das Thema der ungleichen Repräsentation der Geschlechter auf Blogs angeschnitten wurde, hier der Hinweis auf ein gerade stattfindendes Seminar an der TU Hamburg-Harburg.

Auf geschlechterverhaeltnisse.blogsport.de/ wird das Seminar per Blog begleitet, die Sitzungen ausgewertet und – vor allem das ist für interessierte Dritte interessant – Texte zur Thematik bereitgestellt. Die Studie Die Geschlechterdimension von Weblogs: Inhaltsanalytische Streifzüge durch die Blogosphäre von Franka Hesse fundiert noch einmal die auch hier angerissene Thematik der ungleichen Geschlechterverteilung. Dabei liegt der ermittelte Anteil bei von Frauen betriebenen Weblogs erheblich höher als in der erwähnten Studie von Schmidt.
Recht interessant fand ich die im theoretischen Teil der Studie vertretene Argumentationsfigur, die gerade eine Trennung der Sphären Öffentlich/Privat kritisiert:

In einem Blog sind die Beiträge in chronologischer Reihenfolge geordnet; technische und
politische Informationen und Kommentare finden sich häufig neben Einträgen zu persön-
lichen Themen. Diese Möglichkeit die hierarchische Dichotomisierung zwischen Öffentlich
und Privat aufzuheben wird jedoch nur von einem Teil der Autor/-innen genutzt. Insgesamt
zeigt sich bei der Adaption dieser Möglichkeit der Publikation im Internet, dass auf der
Grundlage von Nutzungspraktiken und der Identifizierung verschiedener Typen entlang der
Geschlechterlinien wiederum eine Zuordnung zu den Bereichen politisch/privat vorgenom-
men wird und das neue Format positioniert wird. Diese können auch als Aushandlungs-
prozesse über die Zuordnung des Medienformats entlang der Grenzlinien Öffentlich/Privat
und Männlich/Weiblich gesehen werden.

Bezogen auf einen anderen Kontext wird dies relevant. Denn im Gegensatz zu den Freundinnen und Freunden des Datenschutzes wird hier gerade Partizipation durch die Veröffentlichung privater Daten eingefordert.
Für mich bleibt bezogen auf die zweite Fraktion offen, warum gerade in Deutschland, dem Land des behördlichen Schutzes der Bürger vor dem Staat, gerade beim Thema Datensicherheit und Vorratsdatenspeicherung die Emotionen hochkochen und eine bestimmte Vorstellung vom richtigen Verhältnis von Öffentlichkeit und Staat verteidigt wird.

via scheckkartenpunk.blogsport.de/

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