Zeit der Dürre

Mein Schreiben scheint derzeit aus- oder eingetrocknet zu sein. Motivation gering. Noch mehr Sorgen mache ich mir über mein musikalisches Schaffen, denn das tendiert seit längerem gegen Null. Beides hat zu gewissen Teilen auch etwas mit dem Phänomen “Arbeit” zu tun, denn obwohl ich immer noch Tage habe, in denen ich unbeschwert bis nachmittags frühstücken kann, muss ich dann doch immer irgendwann ins Büro. Vor allem unangenehm ist, sich in einem dauernervösen Zustand zu befinden. Ständiges Klicken, Recherche betreiben, diverses Zeug machen – da fehlt mir die Muße für Kontemplation und längere Konzentration auf ein Thema, sei es schon lesen. Da hätte ich mich doch besser an der Uni einrichten sollen, um dann ab 40 mit einem Doktortitel arbeitslos zu sein. Es kann doch nicht sein, dass man irgendwann so dauerhaft zu arbeiten anfängt und dann das Leben vorbei sein soll. Ich bin empört! Es muss doch noch weitere Ausreden wie ein Langzeitstudium geben, um sich bis zum Rentenalter auszuklinken. Dummerweise scheint mir HartzIV keine verlässliche Option zu sein, denn besonders geil den Staat als Arbeitsgeber zu haben, direkt der Verwaltung unterstellt zu sein und von dieser nach Belieben drangsaliert zu werden, macht auf Dauer keine Laune. Das ist wirklich das Abstellgleis und diese widerwärtige Gesellschaft lässt das die davon Betroffenen auch spüren: wir lassen dich nicht verhungern, dafür wirst du marginalisiert. Zwar kenne ich Menschen, die mit ein bißchen Schwarzarbeit nebenher ihre Bezüge aufbessern, aber ob das auf Dauer funktioniert, ist fraglich. Partizipation sieht anders aus und wird hier (fast hätte ich den Begriff “System” verwendet) nur über Lohnarbeit (oder Unternehmertum) gewährleistet. Anders kann ich mir nicht erklären, dass ein Mann Mitte 50 als Angestellter in dem Kiosk neben meinem Haus 7 Tage die Woche jede Nacht hinter der Theke steht. Vermutlich besser als zu Hause zu verwesen. Was würde man ansonsten auch mit der Zeit anfangen?

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