Reisenotizen

Auf der Hinfahrt geraten wir auf der Autobahn in Schneeregen. Das kann einem schon ganz schön auf die Laune schlagen am Samstag mittag. Abends erstmal die Schallplatten meiner Schlafgelegenheit in Hamburg durchforsten; ich habe auch noch einen dicken Batzen Platten mitgebracht. Irgendwann geht es los zum nördlichsten Punkt Kölns, zu dem Büdchen (=Kiosk) im Wohnzimmer. Es ist Karnevalszeit, also nichts wie weg hier. Nach der Pizza lungern wir vor der Flora rum (Gesprächsfetzen: “…war kein Arier…”). Die Leute sehen aus, als würden sie auf Demo und nicht auf Party gehen. Wie soll da Spaß drauß werden? Techno ist nicht nach meinem Gusto und so geht es direkt ins Raucherzimmer der Karoecke. Ein DJ spielt Minimal Noise und obskures Zeug und von dem Rauch in dem engen Kabuff wird mir so schlecht, dass ich fast von der Sitzbank falle. Da setze ich mich doch lieber in die Nichtraucherzone und zwitscher (ein eher dümmlichses Synonym für “Alkohol trinken”) noch ein weiteres Weizen. Lieber ins Bett gehen. Am nächsten Tag mehr Plattengespräche, Plattendurchwühlen, Plattenhören, Plattenkaufen. Nebenher ein Buch über die russische Avantgarde, eins über Street Art, eins über Wiederholungen lesen – und die Sammlung von Heften der Innung der Elektroküchenhersteller aus den 1950er Jahren begutachten. Das Register der gesammelten Werke von Hegel wird mir nahegelegt; ich verschmähe es dann aber doch. Fischplatte auf dem Schulterblatt. Am nächsten Tag Gespräche über alternative Swingerparties und festgeschnallt auspeitschen lassen auf dem Rosenbett. Außerdem geht es um feministische Pornoproduzentinnen. Beim Brötchenkaufen sehe ich jemanden auf der Straße, die wie Itty Minchesta aussieht. Ist sie auch. In der Bahn dann weiter mit Thomas Bernhard “Wittgensteins Neffe” (sehr gutes Buch eines liebenswerten Misantrophen). Am nächsten Tag gibt es in der Kantine des Umweltbundesamtes Leberkäs mit Spiegelei (das vegetarische Essen sieht unessbar aus und ist es auch, wie mir meine Begleitung versichert). Bei Ikea Kleiderbügel kaufen und das Tofu, dass ich eigentlich schon wegschmeissen wollte, zu Hause doch noch essen.

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