Wahlkampf bizarr in Hessen

Das hätte sich der “Hessen-Hitler” (Titanic Magazin) und amtierende Ministerpräsident von Hessen, Roland Koch, wohl anders vorgestellt. Knapp eine Woche vor der Landtagswahl schmieren seine Umfragewerte massiv ab. Tja, da ist die Law-and-Order-Kampagne gewürzt mit einem Schuß klassischen Rassismus wohl voll nach hinten losgegangen. Einiges deutete im Vorfeld daraufhin, denn bundespolitisch wurde die Kampagne sogar von der eigenen Partei und ihr nahestehenden Medien überhaupt nicht frenetisch begrüßt. Im Vorfeld distanzierten sich schon Angela Merkel und Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff von Koch, dem natürlich auch vom politischen Gegner Populismus vorgeworfen wurde. Eigentlich hatte er auf einen Erfolg gehofft wie 1999 mit seiner rassistisch konotierten Kampagne gegen die doppelte Staatsbürgerschaft. Warum hat es diesmal nicht funktioniert? Spiegel Online nennt diesen plausibel klingenden Grund:

Zumal er einen strategischen Fehler gemacht hat: Seine Ausländer-Kampagne war wie maßgeschneidert für einen Oppositionsführer. Gegen eine rot-grüne “Multikulti-Truppe” an der Spitze Hessens, wie Koch sie nennen würde, wäre die Taktik wahrscheinlich sogar aussichtsreich gewesen. Doch für einen Amtsinhaber, der seit neun Jahren in Hessen regiert, hat sie sich innerhalb von Tagen zum Bumerang entwickelt.

Dazu kann man schwerlich auf die unfähige Justiz schimpfen – wenn man selbst die Verantwortung für deren Mißstände trägt. Erstaunlich auch gerade, dass sich bei Wählerinnen und Wählern nicht mit platten, rassistischen Parolen punkten lässt. Dieser Trend darf sich gerne fortsetzen.
Allerdings greift Koch jetzt zu Plan B – und der ist an Idiotie kaum zu überbieten. Jetzt lautet der Schlachtruf: “Ypsilanti, al-Wazir und die Kommunisten stoppen!” Als ob im Jahr 19 nach dem Ableben des real existierenden Sozialismus jemand Angst vor Oskar Lafontaines Verein mit seiner Hetze gegen “Fremdarbeiter” hätte. Als ob SPD-Spitzenkandidatin Ypsilanti und Grünen-Kandidat al-Wazir ein Feindbild als stramme Linke abgeben würden. Man kann Herrn Koch nur wünschen, dass auch dieser Plan ein Rohrkrepierer bleibt und er mit wehenden Fahnen untergeht. Und immer dran denken: die 5%-Hürde gilt auch für die CDU!

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