Reisebericht Gdansk

Mash up
Wieder in Polen live spielen, wieder im November. Letztes Jahr was das schon ganz gut in Krakau und dieses Mal in Gdansk versprach das auch eine ganz nette Party zu werden. Doch davor mußte man erstmal nahezu ohne Autobahnen dort hinkommen. Das bedeutete 320 Kilometer Hölle der Landstraße. Dazwischen haben wir uns noch verfahren und wir kommen erst um 23 Uhr in Gdansk an. Der Club ist in das alte Fort Grodzisko integriert und wie ein Katakombensystem aufgebaut. Unten an der Bar Dubstep, oben harter Sound ist die Aufteilung des Abends für die Launchparty des Mailorders http://mash-up.pl/
Am Anfang fallen mir eher klobige, bulldogen-artig-gebaute Menschen auf. Und hart dabei dazu noch. Ein Druffi schafft es zu Dubstep windmühlenartig mit den Armen zu wedeln und herumzutaumeln. Ich muss diverse Ausweichmanöver einleiten um Kollisionen zu vehindern. Die Anlage ist nicht für Dubstep ausgelegt und außerdem sollte da mehr Bass vom Dubstep sein und weniger Bass vom anderen Floor; trotzdem ist das ganz nett. Oben ist den Abend über weniger Breakcore als vielmehr Hardtekk angesagt.
Im Laufe des Abends werden mir wohl alle der Menschheit jemals bekanntgewordenen bewußtseins- und körperfunktionserweiternden Mittel angeboten. Da ich derzeit so eine Art verkappter Straight Edger bin und vor Auftritten generell nicht trinke und auch ansonsten nicht mag, lehne ich dankend ab. Gewisse Mitfahrer jedoch nicht (der Begriff “Mischkonsum” wird hier erheblich ausgeweitet) was in glückseeligen Zuständen endet, in denen man vor lauter Freude seine Brille verliert, die dann später erheblich kaputter als davor auf dem Tanzboden wiedergefunden wird.
Gewisse Mitreisende werden auch mehrfach am Abend gefragt, ob sie LFO DEMON seien. Eigentlich sollte ich um halb 3 loslegen, aber dann drängen alle drauf, dass ich den Hardtekk-DJ davor kurz nach 2 ablöse und endlich anfange.
Aus 6 Bierkisten wird von mir ruckzuck der Tisch für meinen Laptop und Midi-Controller gezaubert. Einzig nervig bleibt, dass ich genau zwischen der Tanzfläche und dem Backstage-Bereich mit dem N2O stehe, weswegen während dem Set die ganze Zeit Leute durchlaufen und von hinten ständig lautes Zischen ertönt. Außerdem stehe ich seitlich zum Publikum versteckt in einem Schacht dieses Stollensystems, während die Leute zombieartig die Boxen antanzen. Gelegentlich werde ich aber dann doch beim rumspringen angeguckt. Ein Typ bringt mir eine Tüte vorbei, ansonsten werde ich mit Sprite und Coca Cola versorgt (immer noch kein Bier für mich). Nach 1 Stunde 45 dann genug, ich hab alle Anthems und noch ein paar neue Sachen gespielt und langsam reicht das auch, da die bretzelnden Speedcore-Riddims auf 400 bpm dann vielleicht doch zu krass für diese Crowd sind. Der Typ nach mir, der locker als OI-Skinhead durchgehen könnte, fängt mit 2 synchron-laufenden Electribes seinen Liveact an und spielt 4/4-Hardcore-Techno mit zwirbelnden Sounds. Nachdem ich noch mehr Tüten abbekomme und dann doch mal die Sprite-Wodka-Kombination verkoste, die den ganzen Abend schon rumgereicht wird, bin ich noch kurz auf der Tanzfläche am abzappeln, um dann auf einem Tisch zusammengerollt einzuschlafen. Ich wache kurz vor 8 Uhr auf und die Party ist zu Ende. Alles wird zusammengepackt, in Taxis verladen, und in die Wohnung des Gastgebers verfrachtet. Während ich ganz dreist dort angekommen sofort wiederweiterschlafe, wird im Wohnzimmer alles verkabelt und es geht munter weiter. Mittags um 3 wache ich auf und es dröhnt immer noch das unz-unz-unz-unz von nebenan herüber. Sich da jetzt einzuklinken ohne den Wahn seit gestern Nacht mitgemacht zu haben, scheint undenkbar zu sein. Zuckende, rote Gesichter und heisere Stimmen, mit englisch ist da wenig. Nach der Pizza zum Frühstück machen wir uns lieber ab in die Innenstadt, es ist ganz schön dort. Als wir abends zurückkommen ist die Party wirklich vorbei, aber die Leute sind erstaunlicherweise noch wach. Am nächsten Tag noch Steilklippen an der Ostsee angucken an einem windigen Herbsttag mit viel Laub auf dem Boden und dann in Rekordzeit zurück nach Hause. Gerne wieder, danke.

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