Fire!

fire!
Im Dauerloop läuft hier in den letzten Tagen die „Fire“ Maxi von The Prodigy. Laut Aufkleber hat die Maxi damals in den 1990ern DM 10.95 gekostet im Medienkaufhaus Prinz in der Breiten Straße in Mannheim. Ich kann mich dunkel daran erinnern sie irgendwann Mitte der 1990er gebraucht gekauft zu haben, die abgeranzte Hülle und die Flecken auf der CD würden für diese Version sprechen.
Eigentlich waren die meisten CD-Singles ein Unding, denn zum auflegen taugten sie nicht und die Hörer/innen wurden mit zumeist schrecklichen Remixen gequält. Doch nicht so hier. Ich ärgere mich, dass ich bei den Represses nicht zugeschlagen habe und mir dieses Release als Vinylscheibe gekauft habe. Das letzte Mal in London hatte ich die „Out of Space“ e.p. mitgenommen sowie das „Experience“-Album, aber dummerweise „Fire“ entweder verschmäht oder übersehen.
Nicht nur, dass ich mit dieser Musik nette Erlebnisse meiner Jugend verbinde, ich könnte bis heute die frühen Prodigy-Tracks den ganzen Tag hören, rauf und runter, runter und rauf, wie im Fahrstuhl. Dummerweise flachten The Prodigy sehr schnell ab und spätestens „The fat of the land“ war eigentlich gar nicht mal so gut sondern ein ziemlich mieses Stück weichgespülte Musikgeschichte. Egal, davon war man 1992 noch weit entfernt: Auf der „Fire“ e.p. befinden sich neben 2 Versionen des Titeltracks 2 weitere Mixe von „Jericho“. Deutlich sind die Britcore-Einflüsse rauszuhören, ein Mix stammtvon Genaside II, welche damals in der Zwischenwelt von technoiden Sounds und HipHop experimentierten. Allerdings ist der Jericho-Mix von Prodigy härter: Verdichtete Breakbeats auf Midtempo treffen Offbeat-Ravesounds mit manischen Sprachsamples im Loop: „Keep on dancing, keep on dancing“. Unglaublich schnell erschienen mir diese Beats damals.
Schon damals hatten The Prodigy einen Hang zur dunklen Seite: nicht die ungetrübte Peace, Love and Unity-Stimmung, sondern eher der Horror eines schiefgegangenen Experiments mit synthetischen Drogen, bei dem sich die Körperfunktionen der Kontrolle entziehen mit all den häßlichen Nebenwirkungen: Schweißausbrüche, weit aufgerissene Augen und notorisches Zucken des Unterkiefers. Die eine Seite von The Prodigy. Die Antithese dazu ist „Fire“ in der „Sunrise Version“, eine euphorisierende Nummer für den totalen Abdreh auf dem Dancefloor: I am the god of hellfire. Indeed. Piano-Rave mit hochgepitchten Reggae-Vocals.
Ein längeres Review dieser Maxi mit einer Beschreibung der Herkunft alles Samples gibt es übrigens auf wikipedia nachzulesen. Wer die älteren Stücke von Prodigy auf die heutigen Verhältnisse übertragen anhören möchte, dem sei die Soundbites – „Experience“ 12“ auf Death$ucker Records (DSR22) empfohlen mit gefaktem Prodigy-Schriftzug und allem drum und dran. „Bootlegs for a mashed up generation“ ist der Untertitel und gleichermaßen Programm: Prodigy im Häcksler, auf 185 bpm aufgepimpt und modular erweitert mit rasenden Stakkato-Amenbreaks irgendwo zwischen aktuellem Breakcore und Tech Itch. Unbedingt anhören.

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