Fire haffi bun. Der inszenierte Krawall.

Das Warten auf die Medien nach dem Krawall: Vermutlich mußte man in den 1980er Jahren noch auf das Erscheinen der nächsten Interim (die gab es erst ab 1988) oder sonstigen kopierten Postille warten, um später die eigenen Heldentaten nachlesen zu können. Die BZ am übernächsten Morgen hätte auch eine Titelgeschichte bringen können, schön mit großem Foto und maximal einer Zeile Überschrift dazu. Da gab es dann gesellschaftliche Anerkennung satt. Man wurde ernst genommen und bekam die Titelseite der Klatschpresse. Für die Kulturindustrie ist keine Tat zu niedrig, die nur um ihrer selbst willen inszeniert wurde. Ebensowenig wie ein umfallender Baum im einsamen Wald ein Geräusch macht, existiert der Riot, ohne dass Leute in Wilmersdorf darüber lesen konnten oder vielleicht sogar in der unsäglichen “Abendschau” des RBB ein bißchen Video-Footage zu sehen bekommen.

Heute kann man sich darüber freuen, wenn man die Fotos seiner Hobbies im Internet veröffentlichen kann. Mit Fotohandy und Videofunktion dank Youtube bald auch Videoclips. Andere benutzen dazu flickr, dieses Klientel hinterläßt seine Taten auf Indymedia.
Was früher in Frühstücksgesprächen am nächsten Nachmittag ausgetauscht wurde und für die Nachwelt unwiederruflich verloren war, kann man heute in den Kommentarspalten auf Indymedia nachlesen. So bekommt auch der uninteressierte Dritte Einblicke in das Denken in diesen Kreisen, die sich selbst gerne als “Zusammenhänge” bezeichnen.
Schon das Geschreibse über Parties auf Messageboards ist in der Regel unerträglich: “wir warn dabei”, “boah, was hat das gerockt” und ähnlicher Nonsens wird da losgelassen. Analog dazu das Gebrabbel nach dem Riot. Die Selbstvergewisserung, live und direkt dabei gewesen zu sein. Nur die physische Anwesenheit zählt für das authentische Erlebnis. Man macht ein Feuerchen auf der Straße, fühlt sich wie eine Reinkarnation des edlen Wilden und ist begeistert, dass die Polizei erst kurz wartet, bevor sie das Spektakel auflöst. Wie im Urlaub kann man mal für kurz in der Freizeit die Sau rauslassen, danach ist wieder Arbeit oder HartzIV angesagt,
Wie beschränkt muss man eigentlich sein, um die klassische Taktik der Polizei mit Deeskalation zu verwechseln: Erst ein bißchen laufen lassen, bis der Mob sich sicher fühlt und ein paar kleinere Straftaten begeht; dann alles abräumen.
Dass man selbst nur Statist in einer Schmierenkomödie ist, die man selbst inszeniert, wird nicht mal mehr bemerkt. Wie ein Hamster im Laufrad geht es immer weiter, Äktschn, Äktschn, Äktschn. Sinnlose Parolen um den eigenen Lebensstil als Politik zu deklarieren. Und immer “Freiräume” einfordern, die mit Freiheit rein gar nichts zu tun haben.
Es geht hier schon lange um gar nichts mehr, trotzdem will man seine sinnlosen Taten als “politisch” verstanden wissen. Infantile Kinder stampfen trotzig mit dem Bein auf: ich darf aber Feuer machen auf der Straße nachts, weil ich das so will. Ja, dürft ihr und ihr werdet auch in 30 Jahren nicht damit aufgehört haben. Außer Erinnerungsfotos wird am nächsten Morgen nichts übrig geblieben sein.

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