Tourtagebuch Antwerpen

Ich setzte mich um 13 Uhr ins Auto und kam um halb zwölf an der Location an. Es ist alles wahr, was über Antwerpen gemeinhin gedacht wird. Orthodoxe Juden bestimmen das Stadtbuld zu Beginn des Schabbat am Freitag abend. Die Location, ein Squat liegt unter einer Brücke. Rechts einordnen, damit man links abbiegen kann (Antwerpen ist voll mit Ampeln), dann noch um ein paar Ecken und man ist da. Die Tanzfläche ist im obersten Stockwerk unter dem Dachboden und es ist halbwegs kühl, als ich um halb zwölf dort eintreffe. Das Herumstolpern durchs Haus bei Kerzenlicht geht noch, betrunken möchte ich hier aber nicht die Treppe runterfallen. Erst noch eine Runde im Auto schlafen, dann endlich die Gelegenheit den grandiosen Ed Cox live zu sehen. Zunächst spielt er einige reguläre Tracks aber zur Hälfte des Sets schnappt er sich sein Akkordeon und es haut in die Tasten. An sich hasse ich dieses Instrument, er macht damit aber die unglaublichste Mischung aus Eurodance, Breakbeats und Coverversionen von bekannten Melodien. Er hat das Gesicht geschminkt, allerdings diesmal keine Clownsnase an. Die Leute toben. Danach legt der Organisator der Show auf. Ich muss mich mit meinem Laptop an eine Ecke des DJ-Pults zwängen. Das Kaos-Pad lasse ich eingepackt dafür habe ich das Mikro dabei. Anfangen, rumspringen und so weiter. Ich kann die Leute kaum sehen bei den obskuren Lichtverhältnissen mit Schreibtischlampen auf dem DJ-Pult. Bei “One Love” kommt dann das Mikro zum Einsatz, allerdings scheinen die Leute mich nur anzustarren. 2 Typen mit Dreadlocks fragen, ob sie das Mic haben können und einer der beiden improvisiert mit seinem Miniatur-Saxophon zu meinem Set während der andere ihm das Mikro hält. Crazy Shit. Ein bißchen rumspringen und so weiter, nach ner Stunde bin ich fertig. Erstmal ein paar Jupiler trinken (Dosenbier rockt) und mir von nem Typ erzählen lassen, dass er mein Split-7inch mit FFF letztens im Libanon gespielt hätte und gerade Koks verkaufen müßte. Ein DJ spielt ein längeres Set und zum Schluß kommt noch ein Liveact mit einem riesigen Gerätepark. Irgendwann nach 6 Uhr möchte ich dann doch schlafen und da der Veranstalter noch am Party machen ist, lege ich mich ins Auto. Er weckt mich nicht und ich wache kurz nach 10 völlig durchgefroren auf. Erstmal zum aufwärmen mit dem Auto rumfahren und noch ne Runde schlafen. Später schlendere ich ein bißchen durch Antwerpen und esse ein belegtes Sandwich in einem obskuren Laden am Hauptbahnhof. Den Mitfahrer nach Berlin noch aufgelesen am Hauptbahnhof und ab geht das zurück im Rekordtempo. Ich finde noch heraus, dass nicht “Vanilla” der am stärksten koffeinhaltige Kaffee von Mr. Brown ist, sondern Caramel-Macchiato (und der reguläre). Der kommt auf 60mg/100ml und ist damit 3x so wild wie Club Mate. Ein ideales Getränk zum Autofahren. Nachdem sowohl Deutschlandfunk als auch Deutschlandradiokultur nichts mehr bringt, müssen die Suicidal Tendencies die Beschallung übernehmen. Macht noch mehr wach. In Berlin erstmal Döner am Kotti Samstag nacht und ab nach Hause.

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