Vom Elend des Musikalienfachhandels

Wie´s so ist: da hat man theoretisch wochenlang Zeit um notwendiges Equipment zu besorgen und dann fällt einem am Nachmittag vor dem Auftritt ein, dass diverse Kabel und Adapter fehlen. Eine Bestellung bei Thomann ist nicht mehr drin und es heißt das Unvermeidliche anzunehmen: ein Besuch im lokalen Musikalienfachhandel. Horror! Alle Klischees, die über Musikfachverkäufer kursieren, sind wahrer als wahr. Natürlich ist diese Spezies “im wirklichen Leben” Musiker und macht den Friedhofsnachtwächterjob im Instrumentenmausoleum nur nebenher, ist klar. Jeder Kunde stellt ein lästige Störung des Mittagsschlafs dar, der bis zum Feierabend andauert. Dumme Sprüche sind zur Belustigung obligatorisch. Wer sich an Shirts mit vermeintlich lustigen Aufdrucken wie “Guitar Players do it with their fingers” oder dergleichen erfreuen kann, der kommt hier auf seine Kosten.
Selbst der Versandhandel aus dem Internet hat diese Läden noch nicht ausrotten können, die sich hartnäckig wie Akne halten. Genauso wie Plattenläden übrigens: das ranzige Personal, insbesondere in Berlin, ist legendär. Friß Staub, wenn du hier etwas kaufen möchtest. Dabei gibt es im Internet alles zumeist billiger. Ok, sich mit Hirnies abgeben zu müssen wäre ja irgendwie noch zu ertragen, aber die Preise sind das eigentliche Ärgernis: “Apotheke” ist als Bezeichnung noch zu harmlos, hier sind Phantasiepreise garantiert. Warum gibt es dann aber diese Paralellwelten noch, die nach den Gesetzen des Kapitalismus schon längst bankrott sein müssten? Tja – weil Musikschaffende in der Regel chronisch verpeilt sind und eben einen Tag vor dem Auftritt daran denken, dass noch ein Cinch-auf-Miniklinke-Kabel und ein XLR-Adapter her müssen.

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