Gender Mainstreaming als Feindbild

Gender Mainstreaming heißt im Klartext kompletter Umbau der Gesellschaft und Neuerfindung der Menschheit. Gender Mainstreaming ist eine Art totalitärer Kommunismus in Sachen Sex und Geschlechterbeziehung.

Bettina Röhl

Gender Mainstreaming scheint in gewissen Kreisen unbeliebt zu sein. In der berüchtigten “Echnaton”-Ausgabe des Spiegel befand sich ein Text von René Pfister, der unter der Überschrift “Der
neue Mensch”
Gender Mainstreaming kritisiert. “Der neue Mensch” das riecht schon nach verstaubtem Sozialismus. Nun ist die für die Umsetzung des Gender Mainstream-Programms zuständige Ministerin Ursula von der Leyen (CDU) bisher nicht als sozialrevolutionäre Feministin in Erscheinung getreten, in der Welt des Spiegels scheint sie dies aber zu sein.
Das Gleichstellungsprogramm, bei dem etwa in Betrieben und Organisationen geschlechtsneutrale Verhältnisse geschaffen werden sollen, mißfällt dem Spiegel sehr. Es wird als “Erziehungsprogramm” tituliert, das a) eine Art Sozialismus ist b) bürokratisch und damit c) den deutschen Steuerzahler Unsummen kostet. Schenkelklopfend wird aufgeführt, dass es für 27 000 Euro ein Naturpark ge-gendert wurde – da wiehert der Amtsschimmel, wenn es nach dem Spiegel geht. Und wer die Bürokratie bezahlen muss, ist schließlich auch bekannt – der kleine Mann Alles in allem liefert der Spiegel-Artikel sattsam bekannte Argumente ganz unten aus der rethorischen Trickkiste, mit denen versucht wird das Programm zu diskreditieren.
Der Artikel fiel mir wieder ein, nachdem die rechtsextreme Zeitung Junge Freiheit letzte Woche einen ähnlichen Artikel publizierte: ein Interview mit Arne Hoffmann von der “geschlechtspolitischen Initiative e.V.” Manndat und einem weiteren Artikel, in dem offensichtlich vom Spiegel abgeschrieben wurde. Die
TAZ fragt,
warum denn der Spiegel sich nicht dagegen wehren würde. Die Antwort ist offensichtlich: Warum auch? In der Sache will man dasselbe, wenngleich sich der Jargon in der Jungen Freiheit etwas rauhbeiniger anhört: ” milliardenschweres Programm”, “gigantische ideologische Umerziehung”, „Erziehungsdiktatur light“. Entsprechende Artikel werden hier nicht verlinkt, lassen sich aber im Internet finden.
Das Thema scheint sich gerade zum echten Aufreger unter rechtsgerichteten Deutschen zu sein, was Äußerungen aus Kreisen des Freien Widerstandes belegen. Das Blog Place2be berichtet
darüber.
Ob bald eine Koalition von Spiegel bis Freie Kameradschaften gegen Gender Mainstreaming mobil macht? Das Ressentiment dagegen teilen sie zumindest weitgehend..

Was sagt eigentlich die Linke zu Gender Mainstreaming? Antiimperialisten wie Detlev Hartmann sehen darin eine perfide Strategie des Kapitals, um Frauen für postmoderne Dienstleistungsberufe zuzurichten, nachzulesen hier. Jürgen Elsässer hält es für
einen Betrug am ostdeutschen Proletariat
: “„Mit Staatsknete wird Multikulti, Gender-Mainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden und sich oft auch keine Kita, kein Schwimmbad und keine warme Wohnung mehr leisten können.”
Und ansonsten? Nichts. Gerade aus den Gruppen, die sich mit Sexismus beschäftigen ist nichts dazu zu lesen. Dabei wäre es gerade hier interessant gewesen zu wissen, wie die gesellschaftlichen Veränderungen durch Gender Mainstreaming eingeschätzt werden.

Weitere Artikel zum Thema:
Genderblog
– Unser aller Feind: Gender Mainstreaming

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