Randale!

Deutsch zu sein ist 2006 mit Palituch und schwarzen Klamotten rumlaufen. So wie sich ein Kinderbuchzeichner einen “Autonomen” Mitte der 1980er Jahre vorstellen würde. Jaja, sich für revolutionär und rebellisch halten und dann in der Sylvesternacht (!) beim DJ intervenieren, er solle wegen den Nachbarn den Sound leiser drehen. Da wird die eigene Paranoia externalisiert, sei es als Nachbarn, die Polizei oder Deutschland (ohne natürlich etwas mit antideutsch – pfui! tun haben zu wollen), welche einem die Freiheit nehmen würden. Dabei exekutiert diese Selbsteinschränkung der eigene psychische Apparat. Andere Leute haben scheinbar keine Probleme solcher Art und rollen schon mal im Vollrausch Autoreifen im Studentenwohnheim aus dem 5 Stock die Treppen runter des nachts, klauen eine Mikrowelle und anderes Zeug, hauen sich mit verärgerten Hausbewohnern und betätigen den Feueralarm. Randale! Wer zu langsam ist, der sitzt in der grünen Minna, so sind halt die Spielregeln.

Von älteren Frauen mit Anarchohemd angegraben werden, die dann doch nur ihren Typ mit verkleckertem Siffhemd wild machen wollen. An anderer Stelle: In der M10 behauptet ein Typ zu M, er habe seine Freundin betatschen wollen und wolle sich deswegen mit ihm prügeln. Der Klassiker an strunzdummen Einleitungen für Hauereien. Im Endeffekt funktioniert ist es so debil wie flirten: mit dummen Sprüchen verbal Kontakt aufnehmen, um dann zum physischen Vollkontakt zu kommen. Auch das will gelernt sein, denn als der dicke B mal ein paar Faschos umhauen wollte, kam er über diese Einleitung nicht hinaus, bis sich R beherzt eingriff und den Typ mit ein paar Faustschlägen in die Büsche beförderte.

Anders, aber dafür hohl wie Brot: Den gespielten Boxkampf beim Pogo für Ernst nehmen und sich mit K dann boxen wollen. Exzellentes Aufmerksamkeitsmanagement: auf einmal hat man 5 Leute um sich rum, die sich um einen kümmern. K scheint das wenig zu interessieren, er performt ein paar Liegestützen und fiktive Sprungseilübungen zu “Eye of the Tiger” auf der Tanzfläche beim Skinhead-Nighter. Mit mir treibt man auch lustige Späße mit Bier wegziehen und allem drum und dran. Humor ist, wenn man hinterher als Entschädigung und Schmerzensgeld dann doch ein Bier geschenkt bekommt.

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