Schraubenfabrik

Sie sagte, Kunst zu machen sei dasselbe wie Schrauben herzustellen. Sie würde es stören, dass Künstler immer jammern und ihre Produkte nicht anständig vermarkten würden. Dabei müsse man Gelder von finanzkräftigen Sponsoren eintreiben; sie hätte das Kultursponsoring der Deutschen Bank in ihrer Bachelorarbeit untersucht. Mein Einwand, dass Subventionen, egal ob von Staat oder Wirtschaft, Gelder in einen defizitären Bereich sind, schien sie nicht zu überzeugen, ebenso wenig wie mein Hinweis, dass die meiste Kunstproduktion nicht wirtschaftlich rentabel sei. Ich hatte mich bei mir davor schon unbeliebt gemacht mit der Aussage, dass ich es vorzöge mein künstlerisches Schaffen nicht zum Bestreiten meines Lebensunterhaltes benutzen zu wollen. Wozu sollte ich unbedingt aus Kunst einen Beruf machen wollen? Als Hobby verspricht die Sache – mir zumindest – einen höheren Grad an Befriedigung. Soviel zu meiner eigenen, privaten Strategie.

Nun verweist diese Episode auf eine generelle Fragestellung. Wie gehen Künstler mit dem Zwang um, dass sie ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen und wie wirkt sich dass auf die produzierte Kunst aus? Entgegen der Annahme von einer generellen Warenförmigkeit von Kunst (verkürzt das Theorem der Kulturindustrie) scheint es, als müsse Kunst immer erst individuell kommodifiziert werden, als liege es im Ermessen des Künstlers, ob er sich bestimmten Mechanismen der Vermarktung beugen wolle. Wie jetzt? Vielleicht sollten, und damit hat es Adorno leider gar nicht, die Produktionsbedingungen näher untersucht werden. Prekär waren die Lebensumstände der meisten Kulturschaffenden schon immer, wenngleich auch individuell unterschiedlich. Die Frage ist, wie sich dies auf die Produktion kultureller Artefakte auswirkt. Kunst ist eben kein überhistorisches Ding, sondern Produkt menschlicher Arbeitskraft. Und im Unterschied zu Schrauben, ist dabei Tausch- und Gebrauchswert nicht einfach zu ermitteln.

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