E und U, Splitter

Eben wollte ich den Satz äußern: “Die Unterscheidung zwischen E und U ist doch nur klassisches Popdiskurs-Gerede”. Dann fiel mir wieder die Diskussionsveranstaltung im Hamburger Kunstverein ein, wo die Meinung geäußert wurde, die “richtige Kunst” würde im oberen Stockwerk bei den Ausstellungen international rennomierter Künstler stattfinden, während die Projekte im Rahmen des Projektes “temporärer Plattenladen” etwas anderes – also low culture – seien. Außerhalb der Musik wird nicht von E und U gesprochen, stattdessen nach Hoch- vs niedriger/ Massenkultur differenziert.

Aussagekräftige Analysekategorie oder Bewußtseinsphänomen? Wird die Unterscheidung zwischen beiden tatsächlich weniger wichtig oder war sie es jemals? Adorno spricht hier auf die Musik bezogen von Illusion, wenn von säuberlicher Trennung die Rede ist, aber genauso von Bequemlichkeit, wenn der Bruch beider Sphären verhüllt werden soll (GS14, S.20)

Es gilt das Paradoxon zu klären: obwohl die Durchlässigkeit (Durchlässigkeit oder Verschmelzung?) zwischen Hoch- und Massenkultur zugenommen hat (Stichwort: Pop-Art), gehen beide doch nicht unmittelbar ineinander auf. Die Ideologie der Hochkultur scheint nach wie vor wirkungsmächtig zu sein und bestimmte Zwecke zu erfüllen, die sie notwendig macht. Diese Zwecke gälte es zu ermitteln. Ja, ich weiß was Bourdieu dazu sagt, aber das ist mir zu wenig.

Schnitt. Auch an anderer Stelle bleibt alles so, wie es immer war: Street Art verlässt zwar die Museen und Kunstausstellungen zugunsten des Aussstellungsraumes der Straße; will die Kunst aus einem isolierten Bereich herausholen; effektiv wird sie aber nach wie vor als Kunst praktiziert und wahrgenommen. Wie kann Kunst möglicherweise abgeschafft, d.h. in den Alltag integriert werden, ohne die Ideologie der Ware zu liefern?

Siehe auch Roger Behrens – E oder U?

und Kerstin Stakemeier – Zum Antimaterialismus der politischen Kunst der Gegenwart

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