Die unmögliche Rolle des Zen Lehrers

Großartiger Vortrag von Norman Fischer im SFZC über die Rolle von Lehrern im Zen: http://new.livestream.com/SFZC/events/2680379. Norman Fischer ist selbst ordinierter Zen Lehrer seit 1980 und spricht in diesem Dharma Talk über seine Erfahrungen. Die Veranstaltung erinnert mich eher an den Vortrag eines Rabbis aus einem Film der Coen Brüder (etwa irgendwo am Ende von “A serious man”). Es sind extrem harte Erkenntnisse, die hier ausgesprochem werden und die vom Publikum dennoch mit Giggeln, Kichern und Gelächter goutiert werden. Vielleicht steht am Ende der Ernsthaftigkeit das Komische; vielleicht lassen sich bestimmte Wahrheiten nur durch Lachen ertragen. Etwa wenn es um die Erfahrung mit den Schülern aus Sicht des Lehrers geht:

„And you have all kinds of contradictory and complicated feelings about the people who come to practice with you. You love them, you worry about them, you´ll dread them. You watch them make terrible mistakes that you cannot prevent. You watch them manipulate you in incredibly devious ways setting you up for all kinds of falls and you will fall. And in the end you realise that you cannot really help them at all. And you will be forced to watch them suffer. Or watch them make you suffer.“

Und das ist doch schon eine ziemlich ernüchternde Zusammenfassung der Tätigkeit eines Zen Lehrers. Ähnlich ernüchternd fand ich „If you meet the Buddha on the road kill him“ von Sheldon B. Kopp aus den 1970er Jahren. Das Buch dreht sich trotz des Titels nicht um Buddhismus, der Autor ist praktizierender Psychotherapeut und erzählt anhand von bekannten historischen Figuren und fiktiven Stoffen von den Irrwegen und Enttäuschungen auf Pilgerreisen. Die Figur des Pilgers verwendet eher als Chiffre, z.B. Patienten, aber auch weiter gefasst Menschen, die Suchen (oder Fliehen). Am Rande berichtet er von seinen eigenen Erfahrungen als Psychotherapeut und den irrigen Wünschen und Projektionen seiner Patienten, die an ihn herangetragen werden. Der Therapeut therapiert den Patienten nicht und so bringt es Kopp auf den Satz: „The teaching mission of the guru is an attempt to free his followers from him.“

Vielleicht ist das auch der Grund sich Dharma Talks und Bücher wie das erwähnte durchzulesen. die Botschaft entfaltet eine Wirkung wie ein Eimer kalter Wasser über das Gesicht geschüttet (während man friedlich schlafend im Bett liegt). Statt mit Texten benebelt zu werden ist das ein effektives Programm zur Desillusionierung. Und nicht nur Desillusionierung. Zen kann beunruhigend sein, wie Norman Fischer seine eigene Reaktion auf ein Fundstück in einem Thich Nhat Hanh Text beschreibt. Er stieß auf den Satz „If you cannot find a true teacher it´s better not to practice at all.“ Dieses Zitat löste in ihm damals – gerade nach der eigenen Dharma-Übetragung – pures Unverständnis und Entsetzen aus: “And this really freaked me out.” Ehrlicher kann man es nicht formulieren. Der Zen Lehrer hat einfach nur längere Zeit die Unverständlicheit der Welt wahrgenommen.