PEGIDA, gegen ihre Bewunderer verteidigt

I. Ich fühle mich an das Diktum von Marx erinnert, wonach sich Geschichte zweimal wiederholen würde: einmal als Tragödie, einmal als Farce. Im Fall von PEGIDA handelt es sich um letzteres. Wie beim Rülpsen des Mannes neben einem beim Warten auf die S-Bahn kommt auf einmal eine übelriechende Wolke zum Vorschein und man wendet sich angeekelt ab.

Zurecht. Allerdings ist PEGIDA in erster Linie hässlich und nicht gefährlich. Referenz sind hier die frühen 1990er Jahre. Hier zeigte die Berliner Republik, wozu das deutsche Volk, einmal friedlich wiedervereint fähig ist. Man möge in den Archiven nachlesen was BILD, Der Spiegel und Frankfurter Allgemeine Zeitung damals so schrieben. Man möge rekonstruieren, was das deutsche Volk damals so tat, in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln, Solingen, Mannheim-Waldhof, Lübeck und weiteren Orten. Man möge nachlesen, dass Bundesregierung und Parteien den Opfern jedwede Solidarität, geschweige denn Würdigung versagten.
Es hat sich etwas geändert, die Dummheit ist heute auf einem höheren Niveau angelangt. Oder dorthin mit Polizeirepression, zivilgesellschaftlichem Druck und autonomen Strafaktionen hingeprügelt worden. So richtiger Nationalsozialismus ist heute eine Marktlücke für die ganz Durchgeknallten – “Reichsbürger” ist die Vorstufe zur Einweisung in die Psychiatrie. Und Nazis müssen sich heute in erster Linie von sich selbst distanzieren.

II. Das Erscheinen von PEGIDA ist so irrsinnig, dass sich jeder Versuch der Systematisierung verbietet. Die Islamismus-Debatten liegen Jahre zurück, ebenso rufen die Debatten über den Islam in Deutschland heute ein müdes Gähnen hervor. Ebenso, warum das Phänomen außerhalb von Dresden nicht zünden wollte mit den Nachahmer-Demos in Köln, München und Berlin.
Man versucht allerlei zu erklären, Politikwissenschaftler klauben Gründe zusammen, die plausibel klingen. “Arbeitslosigkeit”, “geringer Ausländeranteil in Dresden”, “DDR-Nachwehen”. Man wird immer irgendwelche Gründe finden, nur erklärt ist damit nichts. Warum Arschlöcher sich dafür entscheiden Arschlöcher zu werden, bleibt rätselhaft. Warum gerade Dresden, warum gerade jetzt?

Ein vermeintlicher Vorfall in Berlin-Kreuzberg, nicht Dresden, hat durch eine BamS Falschmeldung den Zündfunken gegeben. Hier stimmen zumindest meine Feindbilder noch: die Springerpresse schürt schön Rassismus. Allerdings will diese mit dem Resultat dann doch nichts zu tun haben, da ist BILD ganz regierungstreu und titelt “Nach Massaker in Redaktion von „Charlie Hebdo“: So schamlos nutzen AfD und Pegida Terror-Ängste aus”.

III. Antifaschismus ist Teil der Staatsraison und tief im Bürgertum verankert, siehe Schröder mit dem “Aufstand der Anständigen”, was nun von Angela Merkel mit der Neujahrsansprache 2014/2015 weitergeführt mit Beifall bis hin zur TAZ goutiert wird. Mit plattem “Ausländer raus” gewinnt man heute keine Wahlen mehr. Ich kann nur hoffen, dass dies nicht einfach nur darauf zurückzuführen ist, dass Deutschland Krisengewinner ist, egal ob Griechenland oder Euro-Schwäche.

Deutschland kann anders (siehe Rostock-Lichtenhagen) und auch Rechtspopulismus in Europa kann anders. PEGIDA möge uns mahnend daran erinnern, dass es neben dem vorbildlichen, braven, deutschen, antifaschistischen Staatsbürger eben auch dessen schlecht riechenden Onkel aus Dunkeldeutschland gibt.