Monuments Men Review [2014]


Es passiert mir selten, dass Filme in mir körperliches Unbehagen und Widerwillen auslösen. Bei “Monuments Men” wand ich mich sehr früh wie ein Wurm im Kinosessel und hoffte nur, dass dieser Schrecken bald ein Ende haben würde. Doch! Oh Freunde! Das Grauen hatte kein Ende, das Schicksal kein Erbarmen und der Entschluß das Kino zu verlassen wollte sich ebenso wenig einstellen. Insofern ertrug ich dieses furchtbare Machwerk von und mit George Clooney. Diese Malaise wirkt wie eine Art Mashup aus Ocean`s Eleven (minus Spaß) und “Band of Brothers” (minus Drama). Irgendwas mit Hitler geht immer und da die meisten Geschichten rund um den 2. Weltkrieg in Europa schon erzählt wurden, nimmt man sich jetzt eher unbedeutendere oder unbekannte Geschichten vor. Generell die Frage, ob bestimmte Zusammenhänge für das Kino taugen. Abstrakte Zusammenhänge lassen sich schwer darstellen und so folgt “Monuments Men” eigentlich exakt dem Reiseverlauf aus Band of Brothers – von der Landung an der Normandie rechts rüber durch Frankreich und Belgien dann quer durch Deutschland runter nach Österreich. Teils wirken die Kulissen wie Überbleibsel aus der erwähnten Mini-Serie; welch praktische Zweitverwertung.

Abgesehen davon wirkt der Film wie eine Zusammenstückelung unzusammenhängender Szenen. Man dreht halt irgendwas irgendwo und da doch etliche Orte vorkommen und die Truppe aufgeteilt an verschiedenen Orten operiert, wird es unübersichtlich.”Passt alles nicht so recht? Macht nichts, wir kleistern ganz schreckliche Musik drüber, dann merkt das niemand.” So in etwa muss George Clooney, nebenher auch Regisseur, gedacht haben (am Rande: beliebteste Szene ist Regisseur / Hauptdarsteller debil grinsend mit Aviator Ray Ban im offenen Jeep). Als Sahnehäubchen des Grauens wird hier ein Getröte und Gequackel aus den Lautsprechern gelassen, also meine Herrn. Eine Fanfare wie das Titelthema von Deep Space Nine, ist noch das Harmloseste, der Rest ist ganz furchtbare gute-Laune Musik. Was dann noch nicht kapituliert hat, wird ertränkt in den üblich süßlichen Streichern. Statt Tod durch Steinigung und chinesische Wasserfolter wäre das eine neue Todesart: erschlagen durch eine Tonne auraler Zuckerwatte.

Der Humor ist unerträglich, für ordentliche Gagschreiber hat es nicht gereicht und der Fremdschamfaktor ist riesig, als im Kino einige Zuschauer beim miesen Running Gag des schlechten Französisch des Charakters von Matt Damon glucksen.

Kurz vor der drohenden Implosion Hollywoods (Steven Spielberg) werden nochmal die Kronjuweln aus dem Keller geholt und mit Bombast auf die Leinwand gebracht. Immer mehr vom Immergleichen, man tauscht einfach hinten die Kulisse aus und so ist es mit der Methode “Fred la Bosch” (Badesalz) eigentlich wurscht, ob man nun Römer, Nazis oder Feuerwehrmann spielt. Als weida.

Ey sorry, aber nach Inglorious Basterds wieder die Gute-Laune-Komödien der Nachkriegszeit zu zitieren, geht einfach nicht.

http://www.imdb.com/title/tt2177771/

Computer Chess [2013] – unter Menschen mit Brille

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Manchmal finde ich Filme gut und bin hinterher euphorisch-aufgedreht beim Verlassen des Kinos. Bei SLC Punk war das der Fall. Manche gute Filme wirken auf mich dagegen beim erstem Mal ansehen befremdlich. Irgendwie muss mein Gehirn erst langsam verarbeiten, was man da gesehen hat und dass es den Bereich des Normalen übersteigt. Computer Chess ist so ein Fall, was sicher auch am der lakonischen Atmosphäre liegt. Gedreht zum Großteil in Schwarz-Weiß-Optik unterstützen die drögen Bilder die dröge Realität. Und ehrlich gesagt ist das Ansehen auch mit Überwindung verbunden, der Film macht es einem nicht einfach, die harte Schale will erst geknackt werden, was mir beim Schreiben des Reviews auffällt. Continue reading

Inside Llewyn Davis Review

Warnung. Trotz sorgfältiger Qualitätskontrolle kann folgendes Produkt Spuren von Spoilern und spoilerähnlichen Aussagesätzen enthalten.

Viele Menschen werden von dem neuen Coen Brothers Film “Inside Llewyn Davis” angelockt. Man erwartet heutzutage kaum noch Schlangen vor dem Kino. Das ist noch nicht mal das Eröffnungswochenende. Wenn man dann aber bis kurz vor Möbel Olfe vor dem Babylon am Kotti steht und sich 3 Minuten vor Filmstart nichts bewegt in der Schlange, wechselt man mal eben den Stadtteil und das Kino. Auch da: voll. Vielleicht lag es ein Weihnachten, vielleicht wurde der Film für Coen-Brothers-Verhältnisse zu gut beworben, unter Umständen lag es auch am dem Sujet Folk. Es sind erstaunlich viele alte Menschen im Publikum. Der Film stellt sich dann als durchwachsen heraus. Kann man sich ansehen, aber muss man auch nicht. Irgendwie gut, irgendwie auch nicht.

Wohl niemand schafft es Ambivalenzen menschlicher Existenz so überzeugend darzustellen, und vielleicht ist auch gerade dieses Gefühl im Nachhinein Teil der Coenschen Inszenierung. Mich schüttelt es immer noch beim Gedanken an John Goodman. Ekel-evozierend wäre eine noch zu harmlose Umschreibung. Großartig ist Justin Timberlake, wobei diese post-ironische Geste sowohl die Fans als auch die Hater, als auch die Meinungslosen gleichermaßen zu bedienen weiß. Und Katzendarsteller gibt es auch – welche dem Publikum ein “ah!” und “oh!” entlockten. Irgendwas mit Katzen geht immer, das gilt für Internet-Meme und für ältere Herrschaften.

Leywin Davis ein unglücksseeliger Charakter. Ein Pechvogel wäre er dann, wenn das Unglück nicht selbstverschuldet wäre. Doch der Film löst in einem Loop die Eingangssequenz auf. Und auch während des Films lässt Davis kaum eine Gelegenheit aus, sich nicht als dämlicher Misantroph zu outen, der selbst noch die ihm wohlmeinenden Gönner vergrätzt. Aber am Ende doch noch an den Orten des Rauswurfs aufkreuzen kann. Groß an dem Film ist die Rolle der Jean, gespielt von Carey Mulligan, die ihm in Misantrophie an nichts nachsteht und in der Beziehung der beiden klar die Oberhand behält. This is not a love song und hier keine wunderbare Liebesgeschichte eingebaut zu haben, ist den Coens hoch anzurechnen.

Ansonsten ist dies ein Männerfilm von Männern mit Männern über Männer in einer Männerwelt mit sehr geringem Frauenanteil (Hailee Steinfeld in “True Grit” hatte da deutlich mehr Raum). Gäbe es die Figur Jean nicht, könnte man anhand der übrigen Frauenrollen den Coens fasst Misogynie vorwerfen: die übrigen Frauenrollen (etwa Mrs Gorfein und die Folk-Sängerin mit diesem Harfe-ähnlichen Instrument) werden als vertrottelte Muttchen mit Mamakomplex und/oder Heulsusen-Affinität dargestellt.
Dramödie ist in, wie üblich reiten die Coens auf einem unterschwellig passiv-aggressiven Sadismus, der zum Teil in Humor aufgebrochen wird, manchmal auch nur im Hals stecken bleibt und sich nur teilweise in offener Aggression (die Fausthiebe in der Anfangs- und Endsequenz).