Reviews Fantasy Filmnights Berlin 30.3.2014 Enemy + The Green Inferno

In Enemy (2013) tritt Jake Gyllenhaal als Doppelgänger in Toronto an. Die Referenzen sind eindeutig Hitchcock und David Lynch. “Eyes wide shut” von Stanley Kubrik könnte man auch noch nennen, um den Rahmen abzustecken. Im Unterschied zu David Lynch sind die supernatürlichen Elemente allerdings sehr dezent gesetzt. Der Film erzählt die Geschichte vor allem durch die düstere Musik mit Blasinstrumenten (ist das eine Oboe?). Continue reading

Reviews Fantasy Filmnights 29.3.2014

Hier die Reviews zu den soeben gesehenen Filmen auf den Fantasy Filmnights 2014 in Berlin.
“The Returned” des spanischen Regisseurs Manuel Carballo nimmt die Traditionslinie auf, die das Zombie-Thema als Pandemie-Ausbruch sehen, und das mit Zeitversatz (etwa wie in “28 weeks later”). Damit geht es um Krankenhäuser, Anti-Serum, Seucheneindämmung und Militärblockaden. Außerdem geht es nicht um den direkten Ausbruch, sondern um das Leben danach und unter latenter Bedrohung. Das Setting ist gut gewählt und beim anschließenden Q&A im Kinosaal mit dem anwesenden Regisseur gab es gezielt einige Fragen dazu. Wie so einige Nüsse, die das Gehirn als Eichhörnchen zu knacken hat. Aber zunächst kurz zum Film: Das Setting ist gut gewählt und die Rahmenhandlung gibt einiges her. Für meinen Geschmack wurde der Fokus aber zu stark auf “das Persönliche” gelegt. Möglicherweise hatte ich mir einen anderen Film vorgestellt, aber die politischen Implikationen wurden kaum bis gar nicht verhandelt. Fast schon klischeehaft werden ein paar Soldaten in die Gegend gestellt und Leute werden halt irgendwie interniert. Warum erfährt man nicht, ebensowenig wer da Hass auf die Zurückgekehrten hat. Es gibt scheinbar Demos dafür oder dagegen, ist eigentlich egal für was.
Es gibt eine Talkshow-Szene, in der es zum politischen Schlagabtausch zwischen Hauptdarstellerin und dem Vertreter einer Gegenmeinung kommt (Stichwort “big fat idiot”). Das wird nicht weiterverfolgt. Stattdessen will der Film zu viel sein. Irgendwann werden Detektive aus dem Hut gezaubert, verfolgt wird das nicht weiter. Mord ist auf einmal legal, wenn man nur irgendeine Art von Leiche vorweisen kann. Und auch ansonten gibt es in der Handlung einige Logik-Aussetzer, aber diese sind eher wie die oben erwähnten Nüsse. Knabber, Knabber, Knabber – warum bunkerten die schon zu Beginn des Films das Serum weg? Und wie ein Teilnehmer des Q&A fragte: warum versorgten sich einige Protagonisten nicht auf dem Schwarzmarkt für das Serum? Wirklich herausragend gut dagegen das Sounddesign mit viel digitalgen Clicks and Cuts, das eine ungeahnte Melancholie entfaltete.

“Snowpiercer” hatte ich mir mehr oder weniger aus Zufall angesehen, da mich der Trailer und Teasertext eher gar nicht angesprochen hatten. Ich habe es nicht bereut, andere Besucher fanden den Film allerdings gar nicht gut. Es geht kurz gesagt um Klassenkampf im Zug und den üblichen Konfikt zwischen Dritter und Erster Klasse (wie Titanic, nur mit mehr Hack & Slay).
Der Film ist großartige Phantastik und zeigt was Kino sein könnte – die Wunschmaschine zur Erzeugung alternativer Realitäten. Der Plot ist absurd (nach Logik zu fragen ist hier völlig unlogisch), der neue Dr. Who spielt eine tragende Nebenrolle und wie in einem mitscrollenden Shooter-Spiel gibt es hier nur eine Richtung: von hinten aus dem Zug nach vorne. Dabei durchlaufen die Helden ihre Katharsis mit Zusammenbruch und Geständnissen am Ende, wie in jeder Odyssee. Der Film ist eine Ansammlung von allem möglichen: Grotesk und traurig, langsam und schnell, Actionfilm mit Videoclip-Ästhetik (großartige Szene: die schwarzen Herren und der Fisch). Tilda Swinton ist in ihrer Rolle großartig.

Fantasy Filmfest 2013 Part VIII – Letzter Tag und Recap

28.8. 17 Uhr. Am Vortag beim Abgleichen der letzten Filme dann die Frage: “Hattest Du den Film ausgesucht? Das ist ein Rob Zombie Film.”. “Hmm, kann mich nicht dran erinnern.” Leichtes Unbehagen, da sich niemand mehr so richtig erinnern konnte, warum wir uns auf diesen Film eingelassen hatten. Und niemand die Verantwortung tragen wollte und auf die Ahnung im Raum stand, dass es ganz furchtbar werden könnte. Es wurde dann sogar noch viel schlimmer als erwartet. Mein Voting für “schlechtester Film des FFF” stand ziemlich bald fest. Kurz gesagt ist “Lords of Salem” eine sinnlose Anhäufung von Videoclip-artigen Bildern unterlegt mit Schlaf-induzierender Musik, die aus 3 Tönen besteht. Dass die Liga der Kleinwüchsigen in der Filmindustrie gegen dieses Schundwerk wegen der Tentakel-Porno-artigen Szenen nicht protestiert hat, ist ein Jammer. Wer wirklichen Horror im Kino erleben will, dem sei dieser Film empfohlen.

Recap Fantasy Filmfest 2013: Ansonsten waren Eröffnungsfilm (The Congress) und Centerpiece (Sweetwater aka Sweet Violence) enttäuschend, der Schlußfilm (You´re next) interessierte mich nicht.

Beste Filme von den 16 gesehenen waren für mich Upstream Color, The Battery, A Field in England.
Ganz schön gut waren Siberian Education, Wrong, Byzantium, V/H/S/2, Fresh Meat.
Eher mittelmässig Cottage Country und Sweetwater, The Congress, Banshee Chapter, Aftershock, Frankensteins Army

Bis dahin sind das Filme die ich mir durchaus nochmal ansehen würde. Alles, was danach kommt, nur noch gegen Schmerzensgeld.
Schlecht: The Dyatlov Pass Incident
Unansehbar: Lords of Salem

In Schulnoten:
3/16 = 1
5/16 = 2
6/16 = 3
0/16 = 4
1/16 = 5
1/16 = 6

Passable Quote, und alles in allem doch ein gutes Festival, auch wenn dieses Mal Kracher wie Sightseers und Beasts of the Southern Wild fehlten.

Fantasy Filmfest 2013 Part VII

27.8. 15 Uhr The Battery. Ich hatte im Vorfeld nicht registriert, dass es sich um einen Low-Budget Film handelt. Im sehr kurzen Abspann tauchen nahezu alle Namen doppelt auf, gefilmt wurde in Conneticut. Oberste Regel: wenn du keine Kohle hast, versuch erst gar nicht Blockbuster zu imitieren. Das Resultat werden bescheuerte Animationen sein, die im Publikum Fremdscham auslösen. Daran hat sich Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller Jeremy Gardner gehalten und den besten Zombie-Film des Festivals abgeliefert. Es ist keine Komödie, ebenso geht es nicht um das Abschlachten von Zombies oder Überleben in der Post-Apocalypse. Zombies und andere Überlebende kommen eher am Rande vor. Im Mittelpunkt stehen die beiden Protagonisten, die ziellos die Wälder durchstreifen. Sie verbindet Baseball, ihre Einstellungen und Persönlichkeiten sind gänzlich unterschiedlich. Der Film fächert diesen Konflikt langsam auf und erzählt von Einsamkeit und dem Nervenkrieg, monatelang zu zweit unterwegs zu sein. Unterlegt ist das Ganze mit Musik – die Protagonisten teilen sich einen blauen Kopfhörer. Das Titelstück Anthem for the Already Defeated von Rock Plaza Central klingelt noch Stunden später in den Ohren. Unglaublich guter Film, unbedingt ansehen.

21.15 Uhr V/H/S/2 Letztes Jahr lief der erste Teil auf dem FFF, den zweiten hatte ich zwischenzeitlich schon gesehen. Der Satz “Also der hier geht ordenlich zur Sache” trifft definitiv auf diesen Film zu, wie schon den Vorgänger. In 4 Episoden plus Rahmenhandlung werden die Grenzen des guten Geschmacks ausgelotet mit Wackelkamera, Industrial-artigen Noise-Artefakten und Kunstblut in Hektoliter-Mengen. Mehrere Regisseure wie Jason Eisener von “Hobo with a Shotgun” und Gregg Hale von “Blair Witch Project” geben sich die Klinke bzw. Schlachtermesser in die Hand. Also gute Unterhaltung in Sachen Grusel stelle ich mir genauso vor. Aliens hat man schon länger nicht mehr gesehen. Das dümmliche 90er Jahre Klischee, aber hier echt mal fies mit Fußball-Nebelhorn-Tröten und Blitzelichtern in der Episode “Alien Abduction”. Die Frage, ob Zombies zu kollektiver sozialer Handlung fähig sind, wurde schon in Romeros “Land of the Dead” aufgeworfen. Zombiepuristen müssten eigentlich vor Empörung quieken, bei dem Ende der Zombieepisode. Und “Safe Haven” ist mein Favorit und völlig over the top mit wahrscheinlich allen Elementen, die jemals im Horrorgenre auftauchten. Ein Gruselspaß, nicht für aber mit der ganzen Familie.

Fantasy Filmfest 2013 VI

26.8. 21.30 Uhr A field in England. Ben Wheatley war letztes Jahr auf dem FFF mit dem Eröffnungsfilm Sightseers vertreten. Die Erwartung war entsprechend groß, das Kino gut gefülllt und auf meiner “must see” List stand der Film an erster Stelle. So etwas hat man noch nicht gesehen und entsprechend begeistert war ich dann auch. Irgendwo zwischen Oliver Cromwell und schwarz-weißer Drogenpsychedelic angesiedelt. Mit Effekten und Bildcollagen, die auch gut als Visuals für jede Ghost Drone und Witch House Party hätten durchgehen können. Passt hervorragend in die Ästhetik von schwarzen Dreiecken und Naturstudien. Die Soundästhetik speist sich aus Liedern der einfachen Schichten (das, was 200 Jahre später bei Karl Marx als Lumpenproletariat werden sollte) und zeitgenössischen Dronesounds und subtiler Electronica. Für Fans von Sunn)))o schwer geeignet, zumal die Eclipse stark an das Coverbild zu Monoliths & Dimensions von Richard Serra erinnert.

Über die Untertitel war ich froh, denn obwohl das altertümliche Englisch nur angedeutet wurde, wäre es streckenweise schwer geworden die Dialoge zu verstehen. So in etwa stellt man sich das Leben der einfachen Leute vor. “Planeten? Nie davon gehört.” Letzte Worte: “Shit and thistles”. Dann tot.

Fantasy Filmfest 2013 Part V

Samstag 24.8. 17 Uhr Wie schon ein Bekannter auf dem Fantasy Filmfest meinte: “Gibt es eigentlich einen schlechen Film mit John Malkovich?” Die Antwort auf diese Frage kennen wir wohl alle und so war dann auch Siberian Education großes Kino.
Erzählt wurde auf 3 Zeitebenen ineinander verschachtelt wie Matrjoschka Puppen wurde die Geschichte der Clans aus dem Ghetto erzählt. Der Teil der Liebesgeschichte hatte mehr Wendungen als der Trailer vermuten ließ. Und der Film war streckenweise weniger wenschwergewichtiges Mobster-Drama, sondern inklusive einiger Messer- und Baseballschlägerszenen, so als ob sich Emir Kusturica an einem Romper Stomper Remake versucht hätte. Überragend John Malkovich als ganzkörpertätowierter Clan-Opa und als Bonbon obendrauf der Gedanke, dass dieser italienische Film quasi die landeseigenen Problemlagen projiziert auf die Russen verhandelte.

19.15 Uhr Wrong von Quentin Dupieux. In einer Liga mit “Napoleon Dynamite” und “A Serious Man” – eine Ansammlung von Absurditäten. Hier ins gänzlich Surreale übersteigert mit Regen in Büros und nicht-existenten Uhrzeiten. Schräge Charaktere und eigenwilliger Humor.

21.15 Uhr Byzantium. Bevor der Vampirfilm die falsche Abzweigung in der Geschichte genommen hat und zu Schwarzwaldklinik für pubertierende Mädchen wurde, gab es mal gute Filme des Genes. “Interview mit einem Vampir” fand ich damals großartig und der Regisseur Neil Jordan knüpft irgendwo an diesem früheren Film an. Byzantium ist irgendwo zwischen britischem Sozialdrama, Thriller und Kostümfilm im 19. Jahrhundert angesiedelt. Große Bilder und durchaus sehenswert.

Sonntag 25.8. 19.15 Uhr Sweetwater. Entweder lag es an meinem Festival-Koller, dass ich mich heute leicht abgestumpft und wie nach 5 Tagen Komasaufen fühlte, oder das diesjährige Centerpiece (das Jahr der Abweichenden Filmtitel auf dem FFF, angeblich heißt der Film Sweet Vengeance”) war weniger gut als erwartet. Ok, nach “Beasts of the Southern Wild” letztes Jahr und dem anschließenden Hype lag die Meßlatte hoch. Also irgendwie: nee. January Jones ist irgendwie zu nett, um als Ex-Prostituierte und eiskalte Rächerin glaubhaft zu erscheinen. Dazu sind alle Elemente dieser Art von Western schon x-mal durchgenommen worden und alles wirkte dann doch zu sehr auf den Effekt kalkuliert: der extravagante Sheriff, die dümmlichen Nebenrollen für den Humor, der sadistisch-diktatorische Sektenführer als lokaler Tycoon.

21.30 Warum vor Cottage Country noch unbedingt ein thematisch völlig unpassender 3D-Kurzfilm gezeigt werden musste, gab uns Rätsel auf. Gespaltenes Echo in der Peer Group dann auf Cottage Country: anwesende Freunde fanden ihn gut, ich selbst eher gemischt. Schwarze Komödie mit derben Axt-Späßen trifft auf Fargo-artige Detektivelemente. Die Entwicklung der Figuren ist das treibende Moment des Films, durch den versehentlichen Mord treten die unterschwelligen Charakterzüge deutlicher hervor und am Ende kommt es zum großen Finale. Ein Glück ersparte ich mir danach “Zombie Hunter”, der in die Liga der untergalaktischen Filme aufgenommen wurde.

Fantasy Filmfest 2013 Part IV

23.8. 21.15 Uhr The Dyatlov Pass Incident / Devil´s Pass . Also irgendwie war das Festival Programm am Freitag mau. Keine Ahnung, warum ich mich für diesen Film entschied. “Grave Encounters” fand ich im Cinestar vor einigen Jahren ganz gut, aber wahrscheinlich gab es davor und danach zig Filme derselben Bauart. Devil´s Pass ist einer der lahmeren davon: 5 nervtötende Studenten aus Oregon gehen in die russischen Berge und kommen nicht zurück. Darüber kann man froh sein genauso wie darüber irgendwann den Abspann zu sehen, der diesem Grauen ein finales Ende setzt. Warum nach einer Zeitreise alle so nöse werden und an Händen herumknabern müssen, erschließt sich mir nicht.

23.15 Uhr The Banshee Chapter. In Anwesenheit des Produzenten, der noch kurz einen Satz loswerden durfte war das Kino doch halbwegs leer für einen Freitag abend. Drogenexperimente mit Probanden in den USA seit den späten 1960er Jahre waren hier die Ausgangsbasis der Handlung, auf der fiktional weitergesponnen wurde. Ebenso ein fiktionalisierter Autor namens Thomas Blackburn, der unschwer Hunter S. Thompson darstellen sollte. Wenn Simon Reynolds “Pop cultures addiction with its own past” diagnostiziert, dann wurden hier wie üblich im Horrorfilm wieder Aufnahmegeräte groß thematisiert. Radio-UKW-Sender mit den “Number Stations” (ein netter urbaner Mythos des Gruselfilms), Walkie-Talkie, selbstgebaute Funktstationen und -receiver. Wer auf vintage Elektroschrott steht, kommt hier auf seine Kosten. Die unheimliche Dimension der Technologie, na schön, kann man ja thematisieren. In Dyatlov Pass Incident gab es digitale Kameras und Smartphone-Aufnahmen (natürlich auch da versehen mit den künstlichen Störungen und Artefakten, scheinbar ist die Störung des normalen Betriebs ein wiederkehrendes Phantasma im psychischen Apparat des Horrorfilms). Aber auch hier steht die Frage im Raum: warum sind die denn alle so stinkig auf der anderen Seite und wollen immer nur totmachen?
Jedenfalls ist Banshee Chapter solide gemacht, arbeitet mit wirklich fiesen Stille-Momenten und diese Idee mit Hunter S. Thompson war doch irgendwo charmant.

Fantasy Filmfest 2013 Part III

22.8. 15.00 Uhr Upstream Color. Würde Terrence Malick gute Filme machen und nicht diesen Esoterik-Mist mit unerträglichem Kitschfaktor, könnte sich das Resultat anhören, anfühlen und aussehen wie ein Film von Shane Carruth. Eine Handlung, die völlig rätselhaft bleibt und bizarr formschön inszeniert ist. Ich unterlasse jegliche Spoiler an dieser Stelle und mit dem Durchlesen des entsprechenden Wikipedia-Artikels im Vorfeld kann man sich unter Umständen das Erlebnis verderben. Es geht um injiziierte Würmer, eingebildete Psychosen, Forschungen mit Klängen und Mensch-Schwein-Transfusionen. Im Laufe des Films entwickeln die Figuren langsam ein detektivisches Gespür und decken auf, was mit ihnen zu Beginn passierte. Allerdings bleiben auch hier verschiedene Interpretationen offen. Amy Seimetz als Kris ist großartig und der Film so bizarr wie romantisch. “Walden” von H.D. Thoreau spielt auch eine tragende Rolle. Ich bin schwer angetan.

17 Uhr Aftershock von und mit Eli Roth dann irgendwie halbgar. Die Platte “6 Menschen gehen in den Fleischwolf, Null kommen wieder raus” kennt man schon. Der Film wirkt mit seiner langen Partysequenz zu Beginn wie ein zu lange geratenes Intro. Wann geht denn das Massaker nun endlich los – wir sind doch nicht zum Spaß hier und wollen uns auf ewig daran langweilen, Menschen beim belanglosen Party-Machen zuzusehen (wobei das mit einem subtil-fiesen Humor in Szene gesetzt wurde). Bollertechno und Touri-Szenen, dann das Grauen in Form eines Erdbeben mit Tsunami. Gebäudeinstürze, Seilbahnabstürze, Autocrashs, fallende Felsbrocken, Äxte, unheimliche Kirchenkeller und vor allem marodierende Kriminelle. Eine gewisse Ratlosigkeit, was hier das Böse ausmachen soll. Geschweige denn, welche Geschichte hier überhaupt erzählt werden soll. Wie eine unzusammenhängende Aneinanderreihung von Ereignissen und Einfällen. Ich grüble – vielleicht ist das ja die Botschaft: Das Grundprinzip des Universum ist Zufälligkeit. Man bestaunt immer neue Todes- und Verbrechensarten. Aber irgendwie will sich das Erkenntnis nicht so recht einstellen: hat man schon gesehen oder hätte man nun auch erwartet.

Fantasy Filmfest 2013 Part II

21.8.2013 15.15 Uhr Frankensteins Army. Dass die Naziästhetik des Films auch dümmliche Nazigesellen als Publikum anlocken würde, war abzusehen. Der dumme August mit seinem einschlägigen NS-Neofolk-Shirt durfte mitansehen, wie Enfants perdus der Roten Armee sich mit Mutanten-Mensch-Maschinen anlegten. So etwas hat man noch nicht gesehen, ein eindeutiger Pluspunkt des Films. Ebenso auf der Haben-Seite der Gag mit linke Gehirnhälfte und rechte Gehirnhälfte (mehr sei aus Gründer der Spoiler-Vermeidung nicht verraten).
Allerdings ein Film wie eine Generalmobilmachung auf jegliche Logik in Sachen Handlung. Und dazu ausgestattet mit einem bedenklichem Geschichtbild, wobei der böse Iwan als barbarischer Suffkopf plündernd durch Polen marodiert. Das dürfte dann den Nazigumbo im Publikum durchaus wieder erfreut haben, ebenso wie die zahlreichen Hakenkreuzflaggen.

Irgendwie hatte man den Eindruck, dass das Kino im imaginären Boxkampf gegen Egoshooter gerade kurz vor dem Auszählen im Ring herumtaumelt. Ein weiterer Gedanke: Menschen sind heute einfach zu teuer. Die Szene mit 5 Rotarmisten und 3 Flaggen wirkte einfach ganz schön mau für eine Schlachtszene.
Die Story wurde mit wackelnder Handkamera aus Erster-Personen-Perspektive erzählt. Krickel-Krackel-Soundästhetik und Wackelkamera. Und auch die entsprechenden Super8-Apps gibt es auf dem iPhone, die Ästhetik der Sprünge ist in. Historisch gab es wohl keinen Farbfilm in der Form bei den Nazis. Selten war der Disclaimer “Ähnlichkeiten mit realen Personen sind rein zufällig” unpassender – wenn im Film Bilder von Stalin gezeigt werden. Herr, lass Hirn regnen.

Danach um 17.15 Uhr “Fresh Meat” aus Neuseeland. Ich erwartete nach den ersten, teilweise nicht ganz so gelungenen Gags eher wenig, aber der Film entwickelte sich zu einer fulminanten Komödie. Der Neuseeländer als solches hat einen handfesten Humor, der vor politischer Korrektheit nicht halt macht. Maori und Chinesen werden hier Zielobjekte von derben Späßen. Wahrscheinlich sieht aber auch so die geglückte Integration aus – wenn über alle gelacht werden kann. Und genau genommen sind auch hier die Grenzziehungen subtil vorhanden: “We´re not Maori cannibals – we´re just cannibals, that happen to be Maori”. Heist-Komödie mit Home-Invasion und dann Menschen essen – also alles drin, in diesem bunten Gute-Laune-Cocktail.

Fantasy Filmfest 2013 Part I

fantasy_filmfest_2013
Knapp ein Jahr warten. Fantasy Filmfest. Binge Viewing. Los ging es dieses Jahr am 20.8. um 20 Uhr mit dem Eröffnungsfilm “The Congress” von Ari Folman. Ich wußte im Vorfeld von nichts von dem Film, hatte mir noch nicht mal den Trailer angesehen, und ließ mich überraschen. Kurz: die Handlung besteht aus einer freien Adaption des Buches “Der futurologische Kongreß” von Stanislaw Lem. Einer sehr losen Adaption, eher wurden hier postmodern Versatzstücke aus dem Buch genommen und mit eigenen Ideen vermengt. Der Film besteht zum Teil aus animierten Sequenzen und zum Teil aus der Rahmenhandlung in der Echtwelt.

Um es vorwegzunehmen: von den Umsitzenden ging die Meinung von “gelungener Film” bis hin zu “totaler Reinfall”. Ich habe mich im Nachhinein für eine mittlere Position entschieden. Ehrlich gesagt fand ich die Nicht-Animierten Teile des Films besser: hier wird mit einer ganz ausgeklügelten Dialektik, die auf die Schauspieler verteilt wurde, der Tod Hollywoods verhandelt. Andererseits hatte man diese endlosen Monologe schon so ähnlich in 7 Psychos (und zig anderen Filmen) und langsam nervt diese postmoderne Leier, dass alle Stoffe auserzählt seien und man nur noch über die Unmöglichkeit des Schreibens thematisieren könne. Der Film pendelt emotional zwischen Melancholie der Hauptdarsteller und dümmlichem Quatschfaktor der Animationen. Roger Rabbit lugt hervor. Das anschließende Q&A mit Regisseur war für Außenstehende ganz erhellend: wie so ein Animationsfilm über 30 Länder hinweg zustande kommt. Das dabei überhaupt ein einheitlicher Film entsteht, ist eine modernes Wunder der arbeitsteiligen Produktion.

Ein Film, der mich ratlos zurücklässt: einige einprägsame, wiederkehrende Motive wie das Kind mit dem Drachen, andererseits war der Plot alles in allem doch seicht und der Film ist eine Materialschlacht an Toon-Charakteren getreu dem Motto “viel hilft viel”. Kann man, muss man aber nicht.