Kurz nachgedacht zu Bruce Campbell, Fargo und den Nazis in den USA

Ein Cameo in Fargo also, S02E05. Bruce Campbell spielt Ronald Reagan im Jahr 1979. Sorry, I don`t get it. Hätten die Serienmacher nicht überall Schilder mit “Ronald Reagan” ins Bild gebracht, wäre der Zusammenhang für mich schwer herzustellen. Weil Bruce Campbell einfach nicht nach Ronald Reagan aussieht. Zurückgegeelte Haare und inhaltsleeres Auftreten eines arroganten Schnösels – das spielt Campbell herrlich überzogen-Campbell-mässig. (Die zweite Season von Fargo ist abgesehen davon wie zu erwarten war ganz großartig. Unbedingt ansehen.) Continue reading

Fargo Review

Fargo

(Achtung, Spoiler enthalten) Gute Stoffe im Film sind rar. Jede denkbare Geschichte wurde zur Genüge durchgenudelt, abgewandelt, neu interpretiert und x-mal erzählt. Scheinbar ist der Markt aber noch nicht vollends gesättigt, denn sonst würde man es ja nicht weiterhin tun. Der US-Fernsehkanal FX hatte hier die glorreiche Idee, den Film “Fargo” der Coen Brüder als zehnteilige Miniserie neu zu verarbeiten. Macht das den Stoff irgendwie besser oder interessanter? Mein Eindruck ist gespalten. Das mag aber auch daran liegen, dass wie schon bei True Detective das Finale vergurkt wurde. Continue reading

Das geprüfte Argument: “Niemand schreibt über populäre Serien”

Ich fand diesen erhellenden Gedanken schon vor ein paar Monaten in der FAZ in Zusammenhang mit den Breaking Bad Einschaltquoten und NCIS. Hier nun das Argument in Langversion mit Zahlen. Fazit: alles was in den Kulturteilen der Zeitung runtergebetet und als “wichtig” kanonisiert wird, taucht in den Statistiken allenfalls auf den hintersten Plätzen auf: http://www.theatlantic.com/business/archive/2014/05/why-nobody-writes-about-popular-tv-shows/361872/.

Man versucht sich aus Bildungsdünkel heraus eine eigene Realität zurechtschrauben können, vermutlich bleibt das Fernsehen aber generell die “idiot box”. Was wollen wir denn alle damit? http://www.salon.com/2014/05/05/stephen_colbert_wont_save_us_game_of_thrones_is_not_that_good_this_golden_age_of_tv_is_a_big_sham/

SXSW talks, ich bin draußen

Für kommerziell erfolgreiche Schauspieler, Musiker, Regisseure gehören nette Anekdoten, scheinbar intime Geständnisse, mehr oder weniger tiefsinnige Gedanken oder charmante Witze zur Kernkompetenz.

http://www.brandeins.de/archiv/2014/werbung/erzaehl-was-von-dir.html

Und leider nervt diese Kunst streckenweise ganz gewaltig ab. Beim Abschluß-Talk des SXSW 2014 von Bruce Sterling habe ich nach wenigen Minuten ausgeschaltet. Eine solche Aneinanderreihung von Plattitüden ist mir selten begegnet. Ein ganz schreckliches who-is-who des Name-Droppings, wer da alles wichtig gewesen sei. Behold! Mit welch´ wichtigen Personen ich zu tun habe! Ich spreche mit Snowden und Assange! Und ihr dürft daran teilhaben und zuhören, was ich so alles Großartiges tue! So in etwa wirkt der ganze Talk, der in Selbstgerechtigkeit badet.

Die Attitüde, man selbst stünde auf der Seite der Guten, geht mir ziemlich gegen den Strich. Wahllos werden alle möglichen Personen aufgereiht, die alle irgendwas tun – für “die gute Sache”, die nur implizit umkreist wird. Gab es da nicht mal Kritik an Beppe Grillo, dass dessen Partei keineswegs basisdemokratisch sondern autokratisch von oben nach unten organisiert würde? Und dass im Endeffekt nur der übliche Populismus abgespult würde? Das ist egal, hier wird mit leuchtenden Augen von der tollen Idee erzählt und ein Medienthema von Anfang 2013 recycled.
Dabei geht es um den ewigen Kreislauf von Selbstdarstellung und Leuten die mit professioneller Selbstdarstellung ihr Brot verdienen.

via http://boingboing.net/2014/03/15/bruce-sterlings-closing-rema.html

Das lief ansonsten noch

rauchen

Vermutlich müsste man True Detective weniger als Serie und mehr als “so n Internet Ding” beschreiben. Alle Blogs und Zeitungen waren vor dem Season Finale ganz aufgeregt mit “Oh mein Gott, Oh mein Gott!”. Me too und nichts darüber zu schreiben und dieses EREIGNIS der Nachwelt undokumentiert lassen, ginge gar nicht. Alleine schon der Abend, in dem man in einer Kneipe den Plot durchdiskutiert hatte (und irgendwann bei Friedrich Kittler landete) während alle nur so “Hä?” außen rum standen. Priceless. Continue reading