Veranstaltungsreview: Städtebauliche Todsünden der Ludwigshafener Sozialdemokratie

Nichts weniger als die schonungslose Wahrheit über Ludwigshafen sollte an diesem Abend verhandelt werden. 20 Jahre lang hatte Helmut van der Buchholz vom Buero für angewandten Realismus diesen Vortrag geplant – am 20.01.2017 war es endlich soweit: die schonungslose Wahrheit über die städtebaulichen Fehlleistungen in Ludwigshafen nach 1945. Continue reading

Hüben und Drüben

Der Unterschied zwischen Deutschland und den USA anhand von 2 Zeitungsartikeln kurz aufgezeigt:

Blick in einen neuen Spiegel
Noch nie geriet Olympia so sehr in Verlegenheit: Aus kommerzieller Sicht waren die ersten Spiele in Südamerika ein Erfolg – aber Brasilien dürfte nach der Schlussfeier mit einem Kater erwachen.

http://www.faz.net/aktuell/sport/olympia/olympia-bilanz-blick-in-einen-neuen-spiegel-14399536.html

After Olympics, Rio Is Altered, if Not Reborn
There have been cost overruns and many other complaints, but the 2016 Summer Games in Rio also yielded infrastructure improvements that had been on wish lists for years.

http://www.nytimes.com/2016/08/22/world/americas/rio-olympics.html

Deutschland vs Silicon Valley: Peter Thiel als falscher Messias

Journalismus auf niedrigstem Niveau in Sachen Netzthemen gibt es diese Woche gleich 2 Mal zu vermelden. Als Tiefschlag Nummer 1 drischt Anna Sauerbrey im Tagesspiegel auf Peter Thiel ein. In Silicon Valley – Der religiöse Kult des Monopolkapitalismus wird brav der Kanon der deutschen Kulturkritik abgespult. Die Diagnose “Kapitalismus als Religion” stammt aus den Zeiten von Georg Simmel und Walter Benjamin. Marktschreierisch in der Überschrift angepriesen bleibt sie reine Metapher, im Text belegt Continue reading

PEGIDA, gegen ihre Bewunderer verteidigt

I. Ich fühle mich an das Diktum von Marx erinnert, wonach sich Geschichte zweimal wiederholen würde: einmal als Tragödie, einmal als Farce. Im Fall von PEGIDA handelt es sich um letzteres. Wie beim Rülpsen des Mannes neben einem beim Warten auf die S-Bahn kommt auf einmal eine übelriechende Wolke zum Vorschein und man wendet sich angeekelt ab.

Zurecht. Allerdings ist PEGIDA in erster Linie hässlich und nicht gefährlich. Referenz sind hier die frühen 1990er Jahre. Hier zeigte die Berliner Republik, wozu das deutsche Volk, einmal friedlich wiedervereint fähig ist. Man möge in den Archiven nachlesen was BILD, Der Spiegel und Frankfurter Allgemeine Zeitung damals so schrieben. Man möge rekonstruieren, was das deutsche Volk damals so tat, in Rostock-Lichtenhagen, Hoyerswerda, Mölln, Solingen, Mannheim-Waldhof, Lübeck und weiteren Orten. Man möge nachlesen, dass Bundesregierung und Parteien den Opfern jedwede Solidarität, geschweige denn Würdigung versagten.
Es hat sich etwas geändert, die Dummheit ist heute auf einem höheren Niveau angelangt. Oder dorthin mit Polizeirepression, zivilgesellschaftlichem Druck und autonomen Strafaktionen hingeprügelt worden. So richtiger Nationalsozialismus ist heute eine Marktlücke für die ganz Durchgeknallten – “Reichsbürger” ist die Vorstufe zur Einweisung in die Psychiatrie. Und Nazis müssen sich heute in erster Linie von sich selbst distanzieren.

II. Das Erscheinen von PEGIDA ist so irrsinnig, dass sich jeder Versuch der Systematisierung verbietet. Die Islamismus-Debatten liegen Jahre zurück, ebenso rufen die Debatten über den Islam in Deutschland heute ein müdes Gähnen hervor. Ebenso, warum das Phänomen außerhalb von Dresden nicht zünden wollte mit den Nachahmer-Demos in Köln, München und Berlin.
Man versucht allerlei zu erklären, Politikwissenschaftler klauben Gründe zusammen, die plausibel klingen. “Arbeitslosigkeit”, “geringer Ausländeranteil in Dresden”, “DDR-Nachwehen”. Man wird immer irgendwelche Gründe finden, nur erklärt ist damit nichts. Warum Arschlöcher sich dafür entscheiden Arschlöcher zu werden, bleibt rätselhaft. Warum gerade Dresden, warum gerade jetzt?

Ein vermeintlicher Vorfall in Berlin-Kreuzberg, nicht Dresden, hat durch eine BamS Falschmeldung den Zündfunken gegeben. Hier stimmen zumindest meine Feindbilder noch: die Springerpresse schürt schön Rassismus. Allerdings will diese mit dem Resultat dann doch nichts zu tun haben, da ist BILD ganz regierungstreu und titelt “Nach Massaker in Redaktion von „Charlie Hebdo“: So schamlos nutzen AfD und Pegida Terror-Ängste aus”.

III. Antifaschismus ist Teil der Staatsraison und tief im Bürgertum verankert, siehe Schröder mit dem “Aufstand der Anständigen”, was nun von Angela Merkel mit der Neujahrsansprache 2014/2015 weitergeführt mit Beifall bis hin zur TAZ goutiert wird. Mit plattem “Ausländer raus” gewinnt man heute keine Wahlen mehr. Ich kann nur hoffen, dass dies nicht einfach nur darauf zurückzuführen ist, dass Deutschland Krisengewinner ist, egal ob Griechenland oder Euro-Schwäche.

Deutschland kann anders (siehe Rostock-Lichtenhagen) und auch Rechtspopulismus in Europa kann anders. PEGIDA möge uns mahnend daran erinnern, dass es neben dem vorbildlichen, braven, deutschen, antifaschistischen Staatsbürger eben auch dessen schlecht riechenden Onkel aus Dunkeldeutschland gibt.

“Was macht dich heute stolz deutsch zu sein?”

Das jedenfalls fragt Google in einer Kampagne zum Thema 25 Jahre nach Mauerfall. Man will irgendwas mit Deutschland und Jugend machen.
Ich weiß nicht, ob Google Deutschland das Personal der Alternative für Deutschland übernommen hat. Ebensowenig, ob nicht einfach ein bedauerlicher Betriebsunfall stattfand und die ahnungslos Praktikantin Sätze herausschmetterte, die davor nur auf T-Shirts beim Deutschen Fest in Jena zu hören waren. Mir fällt dazu jedenfalls nur “fassungslos” über soviel politisches Unverständnis ein.

Quelle: https://deutschland25.withgoogle.com/de_DE/protagonist/tabea

Stichwort Mannheim, Xavier Naidoo

Vermutlich qualifiziert mich mein Status als Ex-Mannheimer zum Experten in dieser Angelegenheit, genau wie Xavier Naidoo seine Fähigkeit ein Mikrofon richtig herum zu halten zum Beauftragten in Weltanschauungsfragen befähigt. Wenn mich an dem aktuellen Skandälchen etwas stört, dann die völlig fehlende Frage, warum ausgerechnet von Musikern politische Meinungen, dazu noch die richtigen, erwartet werden. Warum nicht von Bäckern, Bankangestellten oder Taxifahrern? Continue reading

Presseschau, Netz

Ja, da wird erst total Beifall geklatscht zum Urteil bzgl. Löschung von Links aus Google. And now what – wir könnten es auch Zensur nennen. Während dem ansonsten notorisch SEO-freundlichem SPON gerade erst auffällt, dass ein Artikel aus dem Google Index verschwunden ist http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/recht-auf-vergessen-google-entfernt-spiegel-artikel-aus-treffern-a-979255.html, ist man in England einen Schritt weiter und hat die geblockten Links des Guardian wieder freigeschaltet http://www.wired.co.uk/news/archive/2014-07/04/google-reinstates-guardian-links
Scheint nicht so einfach zu sein, wie man sich das vorgestellt hatte mit den Persönlichkeitsrechten. Gleichzeitig hetzen die Leitartikler in der FAZ gegen den vermeintlichen schwarzen Block im Netz http://www.faz.net/aktuell/politik/urteil-zu-anonymitaet-im-internet-runter-mit-der-sturmhaube-13020723.html Wo kämen wir denn da hin, mit der angeblich “grenzlosen Freiheit”.