Gedanken zur Macht

“The Force Awakens” also. Natürlich hagelt es Spoiler, wo bliebe denn ansonsten der Spaß. In medias res: Eine grandiose Optik, die Handlung dagegen schwach und die Charaktere durchwachsen. So in etwa würde ich den Film zusammenfassen.

Eher “ganz nett”, aber eben nicht grandios. Wahrscheinlich wird man sich den Film auch in den nächsten Jahren noch gut ansehen können. Aber er ist nicht die Sensation des Kinojahres. Die Enttäuschung einiger Fans wundert mich daher auch nicht, denn nach der alten Fausformel ist Enttäuschung = Realität minus Erwartungshaltung. Und da befindet man sich knietief im roten Bereich, so wie der Film nach Veröffentlichung der Trailer als Verkündigung des Evangelions abgefeiert wurde. Wenn die Erwartungen so himmelhoch sind, muss die Wirklichkeit zwingend verlieren.

Die Handlung ruckelt zum Teil ordentlich. In einige Plotholes könnte man auch etliche intergalaktische Zerstörer versenken. Die Wandlung von Finn etwa: alle anderen Soldaten der First Order sind seelenlose Roboter, nur er nicht. Stormtrooper als Menschen darzustellen, das wäre neu. Stattdessen wird die First Order verhitlert. Nur Finn ist Mensch, der Rest sind Blechbüchsen, die nach Belieben abgeschlachtet werden können. Um nicht am Massaker teilnehmen zu müssen desertiert Finn, nur um dann selbst mit Freude Stormtrooper zu durchlöchern (und das ist nicht metaphorisch gemeint). Die “Menschlichkeit” besteht dann darin, wahllos die andere Seite abzumetzeln, oh sweet irony. Andererseits: der alten Yoda-Weisheit “fear is the path to the dark side” widerspricht der Film. Finn läuft weg vor dem Krieg aus Angst, diese Angst transformiert sich durch die Ereignisse in moralische Aufrichtigkeit.

Highlight war für mich das Setting auf dem Wüstenplaneten Jakku und die Backstory von Rey. Da stimmte alles …. Raumschiffwracks, das schwebende Gefährt von Rey, Droids, schmierige Händler, exotische Tiere. Rey und Maz Kanata waren für mich die herausragenden Charaktere. Zumal Rey ihren Weg selbstständig findet. Auf der dunklen Seite dagegen das übliche Setting: ein fieser Übervater, hier Snoke, und sein Ziehsohn Kylo Ren.

Ansonsten hatte ich den Eindruck, dass die alten Schauspieler eingesetzt wurden, um die jüngere Generation besser dastehen zu lassen. Zum Glück kommt die nächste Fortsetzung ohne Han Solo aus, Harrison Ford wirkte lahm. Was die Ehe zwischen Han Solo und Leia genau ausmachen sollte – man weiß es nicht, hier schlingerte die Handlung wieder.

Bemerkenswert noch, dass tölpelhafter Humor und Sex/ Liebe nahezu komplett fehlten. Eigentlich eine Gnade nach a) Jar Jar Binx und b) der gähnend langweiligen und furchtbar langwierigen Liebesgeschichte zwischen Anakin und Padme.

Kurz irritiert war ich von den überpräsente britischen und irischen Akzenten von Rey, Finn und dem irischen Villain General Hux. Das hatte ich als eine Verbritifizierung von Star Wars empfunden.

So gruselig die zweite Trilogie auch zum Großteil war, George Lucas hat damals wenigstens versucht Star Wars in die 2000er Jahre zu befördern und so etwas wie Zeitgeist einzufangen. So mißglückt dieser Versuch auch sein mag – ich habe bei J.J. Abrams eher den Eindruck, dass er allzusehr in Nostalgie schwelgt. Nochmal exakt das gleiche Szenario: ein strategischer Punkt auf dem neuen Todesstern muss angegriffen werden und es wird nochmal X-Wings vs Tie-Fighter nachgespielt. Und das kippt leicht ins Infantile: bloß nicht die heiligen Kindheitserinnerungen aus den 1970er Jahren antasten! Nur dass sich diese Zeit und die Erfahrungen von damals sich nicht beliebig reproduzieren lassen.

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