Kurz nachgedacht zu Bruce Campbell, Fargo und den Nazis in den USA

Ein Cameo in Fargo also, S02E05. Bruce Campbell spielt Ronald Reagan im Jahr 1979. Sorry, I don`t get it. Hätten die Serienmacher nicht überall Schilder mit “Ronald Reagan” ins Bild gebracht, wäre der Zusammenhang für mich schwer herzustellen. Weil Bruce Campbell einfach nicht nach Ronald Reagan aussieht. Zurückgegeelte Haare und inhaltsleeres Auftreten eines arroganten Schnösels – das spielt Campbell herrlich überzogen-Campbell-mässig. (Die zweite Season von Fargo ist abgesehen davon wie zu erwarten war ganz großartig. Unbedingt ansehen.)

Da passt die andere Serie mit Bruce Campbell schon besser – Bruce Campbell in der Rolle seines Lebens als Ash vs Evil Dead. Sam Raimi hat hier seine Finger im Spiel und die bisherigen Folgen waren schon feinster Gore-Klamauk. Ob das Konzept aufgeht, das Evil Dead-Universium der bisherigen 3 Filme auf Serienlänge auszubreiten – ich bin jedenfalls gespannt. Bisher war kurzweilige Unterhaltung geboten mit viel Kettensägeneinsatz und echtem Kunstblut. Handgemachte Körperteil-Attrappen dominieren über CGI Effekte, das ist schon mal bemerkenswert. Schöne Sache und hoffentlich kann man mit der Serie einige schöne Stunden erleben.

Mässig erfreut dagegen war ich von “The Man in the high castle”. Als hätte die Datenbank von Amazon eine Serie erfunden, nach Beliebtheitskategorien. Hitler und Nazis gehen immer. Dazu Agententhriller, diverse Liebesgeschichten und Fieslinge. Okay, es ist nicht alles schlecht: Die Kostüme und Kulissen sind wirklich gut gemacht. Dafür wird aber zu sehr auf Ästhetik gesetzt und Handlung und Logik hinken teils. Beispiel gefällig? Die japanische Polizei jagt eine Verdächtige, die gerade noch in einer Seitenstraße eine Filmrolle an die Hauptprotagonistin Juliana Crain übergibt. Dann wird sie erschossen und die Polizisten rennen wild in alle Richtungen los, nur durchsuchen sie nicht den Weg, über den die Gesuchte kam. Diese Schludrigkeit in der Logik wäre nicht weiter schlimm, ist aber symptomatisch für den Umgang mit Handlung. Der Nationalsozialismus ist hier reine Kulisse und wird platt als das Böse dargestellt. Stereotype Nazi-Geheimdienstler und Braunhemden mit Rottweilern. Das sind Filmbösewichter irgendwo zwischen Last Action Hero und Nazis im Marvel-Universum. Aber vielleicht will die Serie auch nicht mehr, als mit Schuften und Gejagten unterhalten. Und ein bißchen Aufmerksamkeit provozieren mit Filmplakaten, die in New York aus der U-Bahn entfernt werden.

Ich bin jetzt aufgepeitscht durch die Serie auf das Buch aufmerksam geworden und lese es gerade. Es unterscheidet sich deutlich von der Serie, mit langen Einblicken in das psychologische Innenleben der Charaktere und einer ausführlichen Beschreibung der Weltlage inklusive der Nazi-Kolonisation des Mars. Und dieser Agententhriller-Plot mit dem geschmuggelten Buch kommt nicht vor.

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